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Beiträge aus der Kategorie ‘Wissenswertes zur Auszeit’

Fünf Monate unterwegs: Resümee einer Auszeit

Nepal_Durga_FestivalLemaire_Kanal_Fels_EisEinfach spitze: Straßendeko in einem nepalischen Dorf für das Durga-Fest, Goldberg im Lemaire-Kanal vor der Antarktischen Halbinsel

Wo war es am schönsten auf eurer Reise? Oder: Wohin würdet ihr noch einmal reisen wollen? Und: Woran erinnert ihr euch besonders gern? Natürlich auch: Was habt ihr am meisten vermisst? Das sind die typischen Fragen, die uns Freunde und Kollegen nach unserer Rückkehr gestellt haben. Und es sind auch die Fragen, die wir hier – statt eines Resümees – beantworten wollen. Weiterlesen

Ich packe meinen Rucksack: 500 Bücher und 30 Kleider

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Ein Bilderrätsel: Es ist Ferienzeit, man trägt Sandalen, und freut sich darauf, Jonathan Franzens „Freiheit“ zu lesen. Doch leider wiegt das 730-Seiten-Werk verdammt rucksackunfreundliche 850 Gramm. Die Lösung: Susanne hat jetzt einen E-Book-Reader. Das Modell von Sony, das Prs-t1 heißt (dafür gehört der Produktmanager in die Entwicklungsabteilung für Radiowecker versetzt), ist knapp 700 Gramm leichter als der Roman und speichert mehr als 1000 Bücher. Beste Voraussetzungen für eine erfüllte Auszeit – eine feine Privatbibliothek

Auf Reisen, so die Hoffnung, schafft man es endlich, all die Romane zu lesen, die schon lange die ganz private Leseliste der verpassten Bücher füllen. Denn mit Büchern ist es wie mit Filmen, die neu in die Kinos kommen, schafft man es nicht, in der Zeit, in der alle über ein Werk sprechen, es selbst auch kennen zu lernen, verliert man es langsam aus dem Blick. Wer will sich jetzt noch durch die „Feuchtgebiete“ schlagen? Wer durch den Blödsinn von Tilo Sarrazin? Aber es gibt auch Romane, die man unbedingt lesen möchte. Ich freue mich auf „Freiheit“ von Jonathan Franzen. Weiterlesen

Wenn der Reiseblues kommt

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Meist kommt er erst nach ein paar Wochen unterwegs – der Reiseblues. Eine Stimmungslage, in der man selbst vier eigentlich ganz hübsche, aber ziemlich kaputte Schaukeln vor einer türkis farbenen Betonwand nicht mehr pittoresk findet

Er erwischt einen eigentlich eher mittendrin, wenn man bereits seit Wochen auf Reisen ist, wenn man anfängt die Heimat zu vermissen, wenn die erste Vollkornbrot-Fata-Morgana kommt. Wenn man sich nach sauberen Toiletten sehnt und der Selbstverständlichkeit, in der eigenen Sprache zu kommunizieren. Wenn man schon so oft Durchfall gehabt hat, dass man es müde ist, Getränke und Lebensmittel nur noch danach zu bewerten, ob sie krank machen. Wenn man sich im x-fach ausgewaschenen T-Shirt nicht mehr sehen kann. Wenn man Sehnsucht hat nach einem Moment der Ruhe, in dem man auf keine Tasche aufpassen, keine bettelnden Kinder abwehren muss, denen man gerne Geld gäbe, bloß reicht es ja so kaum für die nächsten Wochen. Wenn der Erinnerungsspeicher so voll ist, dass man sich fast leer fühlt, müde, dann kommt er zuverlässig – der Reiseblues. Plötzlich schlägt all das Glück der Reise ins Gegenteil um, und man könnte grundlos in Tränen ausbrechen.

Susanne hat ihn jetzt schon, einen Monat bevor es überhaupt los geht. Sie sitzt hinter ihrem Laptop am Küchentisch und liest laut aus den Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes für Indien vor, denn wir planen, an einer Trekking-Tour durch Garhwal teilzunehmen, im nordindischen Himalaya: Dass Touristen in Delhi oft über die aggressiven Methoden klagen, mit denen sie von Tour-Anbietern genötigt werden, überteuerte Ausflüge zu kaufen. Dass die Gefahr terroristischer Anschläge nach wie vor sehr hoch sei, dass nach mehreren Bombenanschlägen mit einigen hundert Todesopfern zuletzt im Juli 2011 in Mumbai viele Passanten von einer Bombe getötet wurden. „Und im September explodierte vor dem High Court in Delhi ein Sprengsatz“, liest Susanne vor, „zahlreiche Menschen wurden getötet und verletzt. Ausländer kamen nicht zu schaden.“ Sie schaut auf. „Das war vor neun Monaten!“  Weiterlesen

Suche: perfekte Wohnung in Lissabon

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Stadt auf sieben Hügeln: Die vielen Treppen Lissabons sind anstrengend, doch der Blick über die Dächer und auf den Tejo lohnt die Mühen

Ein Apartment auf Zeit: Suche Lissabon, biete Hamburg. Seit einigen Wochen sind wir Wohnungsanbieter, wir suchen einen Untermieter für die Zeit während unseres Sabbaticals. Noch ist unser Studio mit Blick über Hamburg und auf die Elbphilharmonie frei (Interessenten nutzen bitte die Kommentarfunktion am Ende des Beitrags), die Experten der Agentur City-Wohnen sagten uns, dass die meisten Wohnungen erst einen Monat vor Beginn der Auszeit einen Untermieter finden. Jetzt heißt es vertrauen und die Nerven bewahren. Weiterlesen

Auszeit auf Juist

Ein perfekter Ort für eine schnelle Entschleunigung: die Nordsee-Insel Juist, auch Töwerland genannt – Zauberland

Wir hingen in einem Stau fest, in einer der Baustellen auf der A 1. Jetzt zeigt uns das Navigationsgerät, dass wir erst um 19:17 Uhr in Norddeich ankommen werden. Eigentlich aber sind wir gebucht für den Flieger um 18:45 Uhr. Sollten wir den verpassen, gibt es nur noch eine Möglichkeit, heute Juist zu erreichen, wir können die Fähre nehmen, die letzte legt um 19:30 Uhr ab. Es darf also nichts mehr passieren, keine Baustelle, kein Lastwagenrennen, kein nix. Wir fahren 200 km/h. Susanne hockt ganz still auf dem Beifahrersitz, die Hände um den Türgriff gekrallt, ich presse die Finger um das Lenkrad, die Autos auf der rechten Spur scheinen zu stehen – wie lange man wohl braucht, um sich von diesem Stress zu erholen?

zum Glück brauchten wir nicht lange zum Erholen und vor allem nicht viel dafür – wie dieser Film beweist

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Mit dem Kajak über den Pazifik? Oder doch lieber einen Film drehen? Oder…

Einige Orte und Ziele lassen sich nur mit viel Zeit erreichen

Was wolltet ihr schon immer mal tun? Viele denken darüber nach, ein Sabbatical zu nehmen. Und zögern, weil sie sich die völlig berechtigte Frage stellen: Was tun die ganze Zeit? Denn eins scheint ja klar, ein halbes Jahr nur auf dem Sofa liegen, geht nicht (warum eigentlich nicht?). Die Website www.yoursabbatical.com will ein Ratgeber sein und bietet Vorschläge, wie all die ihre freie Zeit ausfüllen können, die sich nicht nach einer großen Reise sehnen, die lieber für die Familie da sein, sich für den Beruf weiter bilden oder soziale Verantwortung übernehmen wollen. Eine Website als Unterstützung für die Auszeit. Weiterlesen

Von Zweien die auszogen, sich zu entschleunigen

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Kabel-Baum und Weiß-Raum

Sabbatical, Auszeit, Achtsamkeit, Innehalten. Während Dirk und ich unseren Tag planen, frage ich: „Sag mal, wenn wir statt mit dem Fahrrad zu fahren, zu Fuß zum Markt gehen, ist das schon Entschleunigung?“ Ich gehe gerne. Dirk liebt es, aufs Rad zu steigen. Und deshalb überrascht es nicht, dass er mit einer Gegenfrage antwortet: „Oder ist es nur Zeitverschwendung?“

In der Vorbereitung auf unser Sabbatical wollen wir uns auf verschiedene Weise dem Thema Auszeit nähern, auch über Entschleunigung im Alltag. Ein aufschlussreiches Experiment machten wir, als wir statt „so schnell wie möglich“ mit maximal 120 Stundenkilometern von Berlin nach Hamburg fuhren – die „langsame“ Fahrt kam mir vor wie ein Urlaubstag. Weiterlesen

„Von 100 auf 0 an einem Tag“ – wie man effektiv die Bremse zieht. Interview mit Rolf Schmid von Mammut

 

 

 

 

 

Sabbatee in dünner Luft: Rolf Schmid beim Anstieg auf die Jungfrau und auf einem Anden-Gipfel

Wir sprechen mit vielen anderen Sabbatees und wollen von Ihnen lernen: Wie sind sie an ihr Sabbatical heran gegangen? Wie lange waren sie unterwegs? Was haben sie falsch gemacht? Was war ihr größtes Glück? Würden sie es noch mal machen? Leider schaffen wir bis zu unserer Abreise nur ein Interview auch zu veröffentlichen. Das allerdings ist sehr interessant. Rolf Schmid leitet Mammut, das Unternehmen aus der Schweiz zählt zu den führenden Herstellern von Outdoor-Produkten. Uns hat seine moderne Haltung zum Thema Auszeit in einem Unternehmen sehr beeindruckt.

Dirk Lehmann: Wir haben den Eindruck, als Boss eines auf Outdoor-Produkte spezialisierten Unternehmens ist man immer irgendwie draußen. Warum also eine Auszeit? Rolf Schmid: Seit 15 Jahren stehe ich an der Spitze des Unternehmens. Und die Berge, mit denen ich vor allem zu tun habe, sind Papierberge. Ich sehnte mich danach, länger als für zwei Wochen auszusteigen. Drei Jahre vor meiner Auszeit begann ich, das Thema in meinem Umfeld auszuloten. Als dann auch ein gesundheitliches Problem auftrat, beschleunigte dies meinen Wunsch, eine Auszeit nehmen zu wollen.

Hat man es als Chef leichter, in ein Sabbatical zu gehen? Mir ist es wichtig, dass bei uns die Work-Life-Balance stimmt. Als Vorgesetzter verhalte ich mich nach dem „Vorleben-Prinzip“, und ich wollte meinen Kollegen und Mitarbeitern zeigen, in einem gut funktionierenden Unternehmen kann jeder auch aussteigen – niemand ist, zumindest auf absehbare Zeit, unentbehrlich.

Die meisten CEOs würden von sich das Gegenteil behaupten. Vorgesetzte tun ja gern so, als wäre es kaum möglich, ein Sabbatical zu organisieren. Dabei lässt es sich mit einiger Vorbereitung leicht integrieren. Ich habe genug Zeit gehabt, viele Entscheidungen rechtzeitig auf die Wege zu bringen, anderes habe ich delegiert. Weiterlesen

Volkskrankheit

Die ausgebrannten Deutschen: Anfang der Woche veröffentliche das Bundesministerium für Arbeit interessante Zahlen, es sind dramatische Zahlen. Demnach hat sich in den letzten zehn Jahren der Anteil der Fehltage durch psychisch bedingte Erkrankungen von 6,6 Prozent auf 13,1 Prozent fast verdoppelt. Wurden 2001 in Deutschland noch 33,6 Millionen so genannter Arbeitsunfähigkeitstage mit Stresssymptonen bis zur Depression begründet, waren es 2010 schon 53,6 Millionen. Deutlich stieg auch die Zahl der Menschen, die deshalb eine Erwerbsminderungsrente erhalten, 19.000 Männer waren es im Jahr 2000, zehn Jahre später sind es bereits 31.700. Bei den Frauen sind es deutlich mehr, von 20.000 auf 39.000 verdoppelte sich fast der Anteil der Rentenempfängerinnen. Das Burnout ist modern, und es ist weiblich. Weiterlesen

Manager können immer?

Welche Arbeitgeber gewähren ihren Mitarbeitern ein Sabbatical? Bei den Recherchen zu diesem Thema stießen wir auf eine interessante Umfrage unter Führungskräften: Das Hernstein-Institut, das von der Wiener Wirtschaftskammer gegründet wurde und seine Seminare in einem Schloss bei Wien anbietet, veröffentlich seit 2001 „Management Reports“, Studien zu Fragen der Personal- und Organisationsentwicklung in Unternehmen des deutschsprachigen Raumes. In Ausgabe 4/2011 geht es um das Thema „Management und Auszeit„, Führungskräfte wurden gefragt, ob ihr Unternehmen den Wunsch der Mitarbeiter nach einem Sabbatical unterstützt, und inwiefern für sie selbst eine solche Auszeit in Frage kommt. Sehr spannend. Das Ergebnis: 70 Prozent der deutschen Manager halten sich für unersetzlich – ihr Lebensinhalt scheinen Arbeit und Karriere zu sein. In der Schweiz ist das anders, rund 50 Prozent der Führungskräfte sind offen dafür (das bestätigte uns der Vorstandsvorsitzende des Outdoor-Ausrüsters Mammut, das Interview mit Rolf Schmid ist hier demnächst zu lesen). Dass aber so viele Manager ein Sabbatical für sich rundheraus ablehnen, kommentiert der Karriere-Blog nur mit dem lapidaren Satz: „Falsch verstandener Ehrgeiz ist oft der erste Schritt ins Burnout.“