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Beiträge aus der Kategorie ‘über das Reisen’

Lehmanns Liste: für Astronauten, Romantiker und Umweltschützer – „Tag der Erde“

 

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Foto: NASA

Push:RESET – ein Paar auf Reisen sorgt für mehr Spaß unterwegs. Dazu präsentieren wir in ”Lehmanns Liste – überflüssiges Wissen aus der Welt des Reisens”. Es sind skurrile Fundstücke aus Tourististan, das ist das fantastische Land mit den Traum-Stränden und den Luxushotels zum Schnäppchenpreis, das Land, in das man als Fremder reist, und aus dem mal als Freund zurück kommt, das Land, in dem die Seelen immer nur das eine tun: baumeln. Hach ja.

Viel Spaß beim Lesen.

 

Happy EARTH DAY!

Einst waren wir beeindruckt vom neuen Bild der Erde, das die Astronauten aus dem Weltall lieferten, und viele träumten davon, selbst zum Mond zu reisen, um etwa vom „Full Moon Hotel“ aus den gleichen Blick zu haben. Doch das wird wohl noch auf lange Zeit ein Traum bleiben.

Inzwischen sieht man die Fotos als Beleg, wie zart und zerbrechlich der blau-weiße Planet wirkt in der schwarzen Unendlichkeit. Und noch während die ersten über den Mond hüpften, wurde in den USA der erste „Earth Day“ begangen, um mehr Bewusstsein zu schaffen für die Umwelt.

Heute beteiligen sich 175 Staaten am „Tag der Erde“. Und sie tun so, als wäre der Umweltschutz ganz selbstverständlich verankert in den politischen Zielen des jeweiligen Landes. Dabei zeigt eine UN-Statistik, dass es noch einiges zu tun gibt:

Was etwa den durchschnittlichen Pro-Kopf-CO2-Ausstoß betrifft, stehen vor allem die Länder ganz oben, die von anderen viel Engagement in Sachen Umweltschutz verlangen.

So taucht Indien (mit 1,41 Tonnen CO2 pro Person im Jahr) gar nicht in den Top-20 auf, während die Einwohner großartiger Natur-Ziele wie Neuseeland, Norwegen, Kanada und Australien viel CO2 ausstoßen. Ganz vorne: die dünn besiedelten Länder Arabiens.

Am 22. April ist EARTH DAY!

 

Die Top-20 beim CO2-Ausstoß

20. Italien – mit durchschnittlich 6,47 Tonnen pro Person im Jahr
19. Malaysia – 6,72 Tonnen
18. Neuseeland – 6,87 Tonnen
17. Großbritannien – 7,06 Tonnen
16. Südafrika – 7,27 Tonnen
15. Griechenland – 7,4 Tonnen
14. Norwegen – 7,69 Tonnen
13. Österreich – 8,13 Tonnen
12. Deutschland – 9,14 Tonnen
11. Japan – 9,28 Tonnen
10. Finnland – 10,32 Tonnen
9. Niederlande – 10,45 Tonnen
8. Russland – 11,65 Tonnen
7. Südkorea – 11,81 Tonnen
6. Kanada – 15,37 Tonnen
5. Saudi Arabien – 16,28 Tonnen
4. USA – 16,94 Tonnen
3. Australien – 17,43 Tonnen
2. Vereinigte Arabische Emirate – 21,02 Tonnen
1. Qatar – 38,17 Tonnen

Falsche Preise: Wir wollen einen Flug auf die Kanaren buchen und wundern uns über die miesen Tricks der Anbieter

Hamburg von oben, die Elbe glitzert im Morgenlicht

Abgehoben: Blick auf den Hamburger Hafen an einem späten Wintertag kurz nach dem Start

Dies ist eine Geschichte über Ärger. Obendrein über einen Ärger, den man gar nicht gern hat. Denn er vergrätzt einem die beste Zeit des Jahres – den Urlaub. Es ist aber auch eine Geschichte über die Hilflosigkeit vieler Beteiligten, über rechtliche Regelungen, die offenbar ignoriert werden, und ist es auch eine Geschichte über uns Verbraucher, die wir immer nur den günstigsten Preis im Sinn haben. Und darüber manchmal vielleicht den Blick für die Wirklichkeit verlieren.

Diese Geschichte beginnt an einem Dienstag in Hamburg. Spontan entscheiden wir uns, mit meinen Töchtern aus erster Ehe eine Woche der Osterferien auf den Kanaren zu verbringen, die Wahl fällt erst auf ein Ferienhaus, doch dann finden wir ein schönes Kreuzfahrt-Angebot, eine Woche „Aida Blu“. Meine Töchter lieben es, auf einem Schiff zu sein. Kurze Rücksprache mit den beiden, kurze Koordination was den Preis betrifft, und wir buchen die Seereise, die uns von Gran Canaria nach Madeira und dann durch die Inselwelt der Kanaren führen wird.

Wir sind typische Selbermacher. Erst die Unterkunft, dann der Flug. So machen wir es auch jetzt. Dass wir dabei nur selten überhaupt noch auf die Website der Airline selbst gehen, hat mit der Erfahrung aus vielen Buchungen zu tun, sind es doch meist die Fluggesellschaften, die ihre eigenen Tickets am teuersten verkaufen. Swoodoo hatte uns als günstigsten Preis 252 Euro pro Person von Hamburg nach Las Palmas und zurück angezeigt. Wir haben die Seite nicht geschlossen und klicken auf den Preis, den die Flugbuchungsmaschine anzeigt. Inzwischen ist die Session abgelaufen, wir müssen die Verbindungssuche erneut starten. Jetzt wird ein neuer Preis angezeigt: 272 Euro.

Tripado – leider ist der Preis nicht mehr Verfügbar  schönen Rückflug – dauert nur 22 Stunden!

die Angebote bei Swoodoo hetzte mir Service-Gebühr

Bei Swoodoo präsentiert sich Tripado erst als günstig, wird dann immer teurer

Okay, Zähneknirsch, Pech gehabt. Swoodoo listet die günstigsten Anbieter auf. Ganz oben steht Tripado. Es irritiert, dass der Reisemittler eine Berliner Telefonnummer als „günstige Festnetznummer“ anpreist, obwohl das Impressum das beschauliche Blumberg im Süden von Donaueschingen als Unternehmenssitz nennt. Das passt zum Namen, der auf kryptische Weise eine Nähe zum bekannten Hotelbuchungsportal suggerieren will.

Ach, egal. Wir klicken auf den Swoodoo-Link und erhalten von Tripado die Info: „Ihre gewünschten Flüge sind leider nicht mehr buchbar“. Wir geben die Daten bei Tripado erneut ein. Jetzt ruft das Portal einen Preis von 432,46 Euro pro Person auf, 160 Euro teurer als angegeben. Nur zum Spaß klicken wir auf das Tripado-Angebot für Condor, der Flug soll 448,98 Euro kosten. Unmittelbar nach dem Klick erhalten wir den Hinweis, „Achtung! Der Preis hat sich verändert“, für jeden Passagier wird zusätzlich eine Service-Gebühr von 10 Euro erhoben.

Aus 1008 Euro wie bei Swoodoo angegeben (vier Flüge á 252 Euro) sind inzwischen 1735,33 Euro geworden. Und das scheint noch nicht alles zu sein, schließlich heißt es bei Tripado im Feld Steuern und Gebühren 0,00 Euro. Da wir die Buchung nicht fortsetzen, erfahren wir nicht, welche Kosten noch auf uns zu kommen werden. Wir rufen die „günstige Festnetznummer“ an, um nachzufragen, mit welchen Zusatzkosten wir zu rechnen haben. Doch es geht niemand ran.

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Rumbo verwirrt mit Rabatten und Aufschlägen, die den Preis um mehr als 400 Euro erhöhen

Wir surfen zu Kayak, das ist zwar die Mutter-Gesellschaft von Swoodoo. Doch haben wir oft genug die Erfahrung gemacht, dass sich die Angebote unterscheiden. Und siehe da, es wird ein Flug über Govolo für 339 Euro angeboten. Okay, ist zwar 80 Euro pro Person teurer als ursprünglich angeboten (bei vier Personen immerhin 320 Euro!). Wir klicken trotzdem auf „wählen“. Und sofort berechnet der Flugvermittler mit dem Frosch den Preis neu. Mit dem ersten Klick steigt der Preis für das Ticket um 30 Euro. Weitere führen wir gar nicht erst aus.

So langsam fühlen wir uns verarscht. Wir sprechen mit den Swoodoo-Verantwortlichen. Sie kennen das Problem. „Die meisten Beschwerden unserer User beziehen sich auf die Preisdifferenz zwischen ursprünglich angezeigter Rate und tatsächlichem Ticketpreis“, sagt ein Sprecher. Man versuche schon lange, dem Einhalt zu gebieten. Doch das sei gar nicht einfach. „Die Preise werden ja nicht in Echt-Zeit dargestellt, sondern von den Partnern übermittelt. Nur stichprobenartig könne man die Angaben prüfen.“

Der Sprecher verweist auf ein neues Feature, das einem den sehr wahrscheinlichen Endpreis recht genau dargestellt, inklusive aller Zahlkosten, die sich die Airlines inzwischen haben einfallen lassen – wie Bagage-Fee oder Payment-Fee. Es ist eine Entwicklung, die den Luftverkehr verändert, und die dazu geführt hat, dass Airlines wie Delta inzwischen mehr Geld verdienen mit dem Gepäck, das sie transportieren, als mit den Passagieren. Oder dass man als Fluggast von Airberlin unzählige Zusatzgeschäfte abschließen kann, so kostet die Reservierung eines Sitzplatzes 11,90 Euro pro Person, pro Flug, ein Sitzplatz mit mehr Beinfreiheit – Notausgang – kostet 30 Euro, man kann Fast-Boarding ordern und ein „Gourmet-Menü“, das die Airline mit einem Wrap illustriert…

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12Trip hat den extravaganten Vorschlag, zwei Personen zu streichen. Der Rest ist unverständlich

Wie ist es für uns weiter gegangen? Wir haben noch völlig absurde Momente erlebt, so hat etwa das Portal „12Trip“ die Reservierung modifiziert und nur zwei Tickets gebucht, zwei andere kurzerhand storniert. Und dann wurde uns in wahrlich armseligen Deutsch ein eigentlich ganz interessantes Preismodell vorgeschlagen, der direkt versicherte Ticketpreis. Allerdings zu Kosten von mehr als 2400 Euro für vier Personen von Hamburg nach Gran Canaria, mehr als doppelt so teuer wie anfänglich war das Ticket zwischenzeitlich geworden.

Wir wissen inzwischen, bei welchen Portalen wir bestimmt nie einen Flug buchen werden: Rumbo treibt den Kunden mit einem System von Zuschlägen und Rabatten in den Wahnsinn und den Flugpreis Schritt für Schritt in die Höhe. Mit einem Gesamtpreis von 1356 Euro lockte uns Rumbo bei Swoodoo, bei einem Zwischenstand von 1690 Euro stiegen wir aus und wussten: nie wieder.

Portale wie Rumbo, Govolo, Tripado, 12Trip werden genährt von unserer Preisjäger-Mentalität. Klar, dass wir den Airlines misstrauen, haben die selbst zu verantworten. Viel zu lange verkauften die Fluggesellschaften die eigenen Tickets teurer als die Portale – und verloren viel Buchungs-Traffic. Inzwischen aber bieten die Airlines die besten Preise. Selten sind sie teurer als Online-Portale. Vor allem aber überzeugen sie mit einer klaren Kostenstruktur, mit fairem – wenn auch ausgefuchstem – Geschäftsgebahren und Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die man sogar verstehen kann.

Wir haben zwei Einzelverbindungen gebucht, hin mit Airberlin von Hamburg nach Fuerte, und zurück mit Condor, allerdings nicht nach Hamburg, sondern nach Berlin. Selbst inkl. Mietwagen von Berlin-Schönefeld nach Hamburg-Neustadt ist diese Kombo mehr als 500 Euro günstiger als der Direktflug. Wer also zukünftig bei einer Flugbuchung Ärger und finanzielle Überraschungen vermeiden will, sollte die Flugpreise zuerst bei einer Airline prüfen. Denn entgegen den Behauptungen der Portale, sind die Preise ziemlich stabil. Ein interessantes Learning für Selber-Macher wie uns.

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Das alte Spiel: Anbieter präsentiert sich günstig, und schon der erste Klick treibt den Preis

Lehmanns Liste: Schatz, lass uns die Stadt von oben ansehen – Riesenräder, weltweit

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Push:RESET – ein Paar auf Reisen sorgt für mehr Spaß unterwegs. Dazu präsentieren wir in ”Lehmanns Liste – überflüssiges Wissen aus der Welt des Reisens”. Es sind skurrile Fundstücke aus Tourististan, das ist das fantastische Land mit den Traum-Stränden und den Luxushotels zum Schnäppchenpreis, das Land, in das man als Fremder reist, und aus dem mal als Freund zurück kommt, das Land, in dem die Seelen immer nur das eine tun: baumeln. Hach ja.

Viel Spaß beim Lesen.

 

Renaissance der Riesenräder

Eine Sensation für 50 Cent pro Fahrt! Im Sommer 1893 eröffnete das erste moderne Riesenrad aus Stahl. Es hatte eine Höhe von 80,5 Meter und wurde für die Weltausstellung in Chicago konstruiert, gedacht als amerikanische Antwort auf den Eiffelturm. Eine Fahrt dauerte 20 Minuten und kostete 50 Cent. Erfinder war der Ingenieur George Washington Gale Ferris, und nach ihm heißt das Riesenrad in der englischsprachigen Welt noch heute „Ferris Wheel“. Für eine kurze Zeit gab es einen regelrechten Hype um diese Fahrgeschäfte, 1897 wurde zu Ehren des 50. Thronjubiläums von Kaiser Franz Joseph das knapp 65 Meter hohe Riesenrad im Wiener Prater eröffnet. Doch schon bald erlahmte das Interesse an den überdimensionalen Stahlrädern wieder, 1906 wurde auch das Original-Ferris-Wheel abgerissen und verschrottet.

Umso verblüffender, dass 1989 ein neuer Hype beginnt: Das 107 Meter hohe Cosmo Clock 21 wurde noch in einem Vergnügungspark in Yokohama errichtet, doch mit dem „London Eye“ entwickelt sich das Riesenrad zum Teil des Stadtmarketings, zur Touristenattraktion. Und hat jetzt nur noch herzlich wenig mit dem gemein, was der 1606 in Cornwall geborene, sich selbst schlicht „Traveller“ nennende Autor Peter Mundy beschrieb. Das „Millennium Wheel“ an der Themse gehört zu einem neuen Typ, die Gondeln werden auf dem Rad montiert. Viele weitere Destinationen wollen ähnliche errichten, und jedes neue sollte das bisher höchste überragen. Doch während die technischen Herausforderungen lösbar sind, scheitern viele Projekte am Geld. Die Kosten explodieren – und damit so manche Vision. Und doch sind noch einige Projekte in Planung: Das Bagdad-Eye soll 198 Meter hoch werden, das Beijing Great Wheel 208 Meter, das Dubai Eye 210 Meter und das Moscow View Wheel gar 220 Meter. Welches davon je gebaut wird?

 

Kürzlich eröffnete in Las Vegas das bisher höchste Riesenrad der Welt. Der „High Roller“ misst 167,6 Meter. Eine Fahrt dauert rund 20 Minuten und kostet tagsüber 24,95 Dollar, nach Einbruch der Dämmerung 34,95 Dollar.

Riesenräder der Welt

50 Meter – Brighton Wheel (siehe Foto)
65 Meter – Riesenrad im Prater, Wien
80,5 Meter – Original Ferris Wheel, Chicago (inzwischen abgebaut)
100 Meter – Grande Roue de Paris (inzwischen abgebaut)
107,5 Meter – Cosmo Clock 21, Yokohama
108 Meter – Shanghai Ferris Wheel
120 Meter – Melbourne Star
135 Meter – London Eye
160 Meter – Star of Nanchang
165 Meter – Singapore Flyer
168 Meter – High Roller, Las Vegas

Italien: Ostern auf Sardinien – eine Insel, viel zu schön für schlechte Hotels

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Ein Paar auf Reisen: Verheißung bei der Anreise – Sardinien leuchtet im Abendlicht

Ein Reisebericht von Susanne Baade (Fotos) und Dirk Lehmann (Text)

Verheißungsvoll las sich die Beschreibung des „Geo Village“ auf Sardinien. Im Internet präsentiert sich das bei Olbia gelegene Hotel als Ferien-Club, umgeben von einem großen Garten, ausgestattet mit Tennisplätzen und Badminton-Halle, mit Innen- und Außenpool. Zudem gesegnet mit halbwegs erträglichen Zimmerpreisen: 900 Euro für vier Personen in einem großen Doppelzimmer, inklusive Frühstück, ein guter Preis für eine Woche Osterferien. Und als dann mein Freund Holger sagte, dass er da einen 1a-Sport-Urlaub verbracht habe – Holger und ich radeln und schwimmen zusammen –, dachte ich: Okay, lass es uns machen.

Wie blöd man selbst als so genannter „Reise-Profi“ sein kann, der seit rund zwei Jahrzehnten professionell über Hotels und Destinationen schreibt, hat mir dieser Oster-Urlaub nachhaltig vor Augen geführt.

Bei der Anreise war alles noch gut. Wir wurden vereinbarungsgemäß abgeholt, man gab uns ein großes Eck-Zimmer mit zwei Räumen, getrenntem Bad und WC. Der Blick war lala, aber okay, die Lage eher mäßig, über dem Hintereingang der Küche, an dem sich hin und wieder die Mitarbeiter des Hauses auf eine Zigarette trafen. Doch, so fragten wir uns: Wollen wir etwa die ganze Zeit im Hotelzimmer verbringen?

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Baden in Blautönen: Allerdings kann das Mittelmeer im April noch seeehr kalt sein

Ich habe mir nach diesem Urlaub vorgenommen, eine Liste anzulegen zum Thema: Ausreden, die man sich selbst nicht abnehmen darf. An erster Stelle steht der Satz, „Ach, so schlimm ist es doch nicht. Wer will denn die ganze Zeit drinnen bleiben?“ Wer diesen Satz sagt, sollte ganz schnell mindestens das Zimmer wechseln. Vielleicht sogar das Hotel.

Diese These wurde am nächsten Morgen belegt. Das Frühstück im Restaurant war lieblos, das Obst nur in große, alles andere als mundgerechte Brocken geschnitzt, suppiges Rührei, Säfte aus Sirup. Nur eine der drei SB-Kaffeemaschinen war betriebsbereit. Und wenn frische Croissants serviert wurden, stürzten sich die ausgehungerten Gäste auf die paar Brötchen wie eine Löwenmeute auf ein dünnes Giraffenbein. Die desinteressierten Kellner – ein Männer-Clan in ausgeblichenen Anzügen – standen daneben, unterhielten sich nur miteinander, verschwanden schweigend, wenn man ihnen eine Frage stellte oder gar Kritik äußerte. Sie waren Zombies. Und sie hatten leichtes Spiel, denn die meisten Gäste waren junge Sportler, das Hotel diente ihnen als Trainingsbasis. Von den Herbergen, in denen sie wohl bisher überwiegend gewohnt hatten, waren sie offenbar noch schlechteren Service gewohnt.

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Schöner Außenpool und norddeutsche Nixen, Schlange am Kaffee-Automaten und Leere am Buffett

Leider erwies sich auch das Sport-Angebot des Hotels als eingeschränkt. Das Außenschwimmbecken – mit acht 50 Meter-Bahnen – war den oben erwähnten Sportvereinen vorbehalten. Der wolkenförmige Außenpool im Park war zwar allen Gästen zugänglich, aber unbeheizt und Anfang April gefühlt so kalt wie das Südpolarmeer. Und so blieb uns nur das Hallenbad, in dem wir nach Herzenslust herumtollten und die neue Unterwasserkamera ausprobierten. Bis irgendwann die Zombie-Vibes aus dem Restaurant auch hier spürbar wurden. Plötzlich mussten alle Badehauben tragen, die Öffnungszeiten verkürzten sich, ein in weiß gekleideter Aufseher achtete peinlich darauf, dass man nicht ins Becken sprang. Und ich merkte, dass ich keine Lust hatte, mich mit diesen Typen zu streiten. Dann hätte ich auch in Hamburg bleiben können, im siechen Großverlag, in dem die Stimmung ähnlich gesundheitsfördernd war.

Wir haben das beste draus gemacht. Wir haben uns einen Mietwagen genommen und mit einem metallic-grünen, verbeulten Fiat Punto die Insel erkundet. Wir haben an den schönsten Stränden nördlich und südlich der Stadt gelegen und uns schreiend ins eisig-blaue Mittelmeer geworfen. Wir haben in kleinen Dörfern riesige Pizzen bestellt und in Strandpinten unter Heizpilzen coole Drinks geschlürft. Wir haben uns sehr wohl gefühlt auf Sardinien, wir wurden hier mit viel Herzlichkeit versöhnt. Und irgendwann erkannten wir, die Insel hat mehr verdient als nur Kulisse für Hotel-Ärger zu sein. Und damit das nicht noch einmal vorkommt, mieten wir beim nächsten mal ein Apartment!

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„Da, der rechte Außenspiegel, auch kaputt.“ Es dauert eine Weile, all die Schäden am grünen Fiat aufzunehmen. Dann aber brausen wir über die Insel und toben an ihren schönen Stränden

Viele mögen einwenden, dass es doch viel zu viel Arbeit sei, in einer Ferienwohnung zu übernachten. Alles müsse man selbst machen: Frühstück, Abendessen, Einkaufen, Betten aufschlagen… Aber das ist ein ordentliches Frühstück wert. Und auch das Gefühl, dass man so lange am Tisch sitzen kann, wie man mag, ohne von sardistischen (sorry für den Kalauer hier) Kellnern aufgescheucht zu werden. Zudem ist die Übernachtung selbst in einer gut ausgestatteten Ferienwohnung rund 50 Euro günstiger als das Zimmer im schlechten Hotel bei Olbia, und das Geld kann man abends einwandfrei im Restaurant verpulvern. Wir haben bei www.housetrip.de einige sehr schöne Wohnungen gefunden, etwa dieses in der Nähe von Nebida, mit Pool, von dem man einen schönen Blick aufs Meer hat (hier ein Foto).

Zuletzt gemietet hatten wir allerdings eine Wohnung in Lissabon. Wir lieben die Stadt. Susannes Mutter ist Portugiesin, Susanne selbst hat einige Zeit da gelebt, hat hier Freunde und Quasi-Verwandte. Meist wohnen wir bei denen, doch im vergangenen Herbst reisten wir mit Judith und Benita an und brauchten mehr Platz. Wir fanden eine traumhaft schöne Wohnung in der Altstadt rund um das Castelo, eine Gegend, die uns viel besser gefällt als das Touri-Remmidemmi im Barrio Alto. Morgens saßen wir auf der Terrasse, Papageien schwirrten durch die Luft, wir schnitzten unser Obst und setzten uns Kaffee auf, wann immer wir wollten. Es war einer der schönsten Herbsturlaube überhaupt. Und so zu wohnen, selbstbestimmt, selbstversorgt, selbstgenügsam, ist auch der Plan für unsere nächste Sardinien-Reise.

Wir haben dich nicht vergessen, du wundervolle Insel, und du sollst eine zweite Chance haben.

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Mädchen mit Hut in einem hübschen Dorf. Das Hotel hingegen sieht uns nicht wieder

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Feuerwerk_pushresetHinweis: Dieser Artikel entstand in Kooperation mit dem linkgebenden Portal http://www.housetrip.de. Für ein Online-Angebot wie push:RESET sind solche neuen Formen der Zusammenarbeit unverzichtbar. Unsere journalistische Freiheit bleibt davon unangetastet, der Inhalt des Beitrags stellt zu 100 Prozent unsere Meinung dar.

 

Lehmanns Liste: Was bietet das Traum-Hotel? Frauen wollen einen starken Föhn, Männer einen 3D-Fernseher

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Push:RESET – ein Paar auf Reisen sorgt für mehr Spaß unterwegs. Dazu präsentieren wir in „Lehmanns Liste – überflüssiges Wissen aus der Welt des Reisens“. Es sind skurrile Fundstücke aus Tourististan, das ist das fantastische Land mit den Traum-Stränden und den Luxushotels zum Schnäppchenpreis, das Land, in das man als Fremder reist, und aus dem mal als Freund zurück kommt, das Land, in dem die Seelen immer nur das eine tun: baumeln. Hach ja.

Viel Spaß beim Lesen.

Ihr Traum-Hotel. Sein Traum-Hotel.
Es sind zwei sehr verschiedene Orte…

Ein Hotelportal will wissen, wie sich die Gäste ihre Lieblingszimmer einrichten würden. Und dabei zeigt sich vor allem, wie groß die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind. Die einen mögen Technik, die anderen ein tolles Badezimmer. Die einen suchen Ablenkung, die anderen Zeit für sich:

 

Im perfekten Männer-Zimmer dürften nicht fehlen:

Massagesessel
Dockingstation für das iPhone
gute Lautsprecher (oder Kopfhörer)
ein Tablet-PC oder Laptop als Leihgerät
ein 3D-Fernseher

 

Das hätte das beste Frauen-Zimmer zu bieten:

großes Bett mit vielen Kissen
Frühstück mit gesunden Lebensmitteln
großes Badezimmer mit viel Licht
ein leistungsstarker Föhn
Badewanne statt Dusche

Smog kills: Die Ofenmacher kämpfen gegen den Tod in den Hütten Nepals

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Ein Paar auf Reisen: Für pittoresk hielten wir anfangs die einfachen Stein-Hütten in Nepal, bis wir von ihrem dunklen Geheimnis erfuhren – die Kochstellen machen krank

Ein Report von Susanne Baade (Fotos) und Dirk Lehmann (Text)

Im aktuellen Gesundheitsreport der WHO heißt es, dass weltweit rund sieben Millionen Menschen an den Folgen von Smog und Luftverschmutzung sterben würden. In vielen Medien wurde die Meldung aufgegriffen und als Symbolbild zeigte man eine unter grau-schwarzen Rauchwolken liegende Großstadt. Ja, das ist wohl das Bild, das jeder im Kopf hat, wenn es um verpestete Luft. Doch es ist verblüffenderweise nur ein Teil der Wirklichkeit.

Wer den WHO-Bericht liest, erfährt darin, dass zwar ein Teil unserer Klischees zutreffen, es sind tatsächlich die Bewohner armer, vor allem asiatischer Regionen, die vom Smog-Tod betroffen sind. Doch gibt es die meisten Opfer gar nicht in den Straßen, über denen graue Wolken liegen, sondern in den Wohnungen. 2012 sterben 4,3 Millionen Menschen an den Folgen von Luftverschmutzung – in Räumen.

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Wirklichkeit und Ideal: Die meisten Häuser in Nepal verfügen nur über offene Feuerstellen, der Qualm dringt durch Fenster und Fugen. In der „Everest Summit Lodge“ in Monjo steht ein Kaminofen

Warum wir in unserem kleinen Online-Reisemagazin, das doch eigentlich eher den schönen Seiten des Lebens zugewandt ist, überhaupt dieses Thema aufgreifen? Weil wir damit in Berührung gekommen sind. Undzwar in jeglicher Bedeutung des Wortes.

Während unserer Trekking-Tour im Himalaya sind die einfachen Steinhütten allgegenwärtig, sie säumen die Wege, meist grob aufeinander geschichtete Felsstück, oft genug nicht einmal verputzt. Türrahmen aus grobem Holz, bunt angemalt, die Dächer flach, meist in leuchtenden Farben gestrichen. Viele Häuser haben keine oder nur winzige Fenster. Einerseits sind die Einwohner dieser Hochgebirgsregion keine besonders geschickten Baumeister, andererseits müssen alle Baumaterialien von weit her angeschleppt werden. Die Häuser der einfachen Menschen sind düster.

Als wir an einem Haus vorbei kommen, aus dessen Mauerritzen und Tür Rauch nach außen dringt, sind wir kurz davor, hinein zu rennen, um ein Feuer zu löschen. Doch Som, sprich: Schumm, unser Guide, hält uns ab. Nein, nein, sagt er, das sei normal. „Nepali-Häuser kein Kamin.“ Okay, gehen wir weiter.

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Glauben und Hoffen: Einer der größten buddhistischen Tempel – der Stupa Bodnath in Kathmandu

Man hält so etwas für ein folkloristisches Detail, man findet es vielleicht sogar pittoresk, denkt sich nichts dabei. Bis man eines abends in einem Restaurant in Kathmandu angekommen ist, vor uns drehen die Gläubigen ihre Runden um den Tempel der Stupa Bodnath. Sie laufen durch totale Dunkelheit, denn diesmal ist dieser Stadtteil betroffen von den täglichen Stromabschaltungen. Uns am Tisch gegenüber sitzen Katharina und Frank. Und sie werden uns die Augen öffnen. Es wird ein bewegender Abend.

Katharina Dworschak ist Ärztin, ein Mensch, der Gutes tun wollte. Deshalb ging sie nach Nepal und arbeitete in einem Krankenhaus in Kathmandu. Allein das war schon hart, Nepal ist ein armes Land, Gesundheit kostet Geld, vielen hier geht es schlecht. Und es war für Katharina eine erschütternde Erfahrung, dass täglich viele Kinder und Frauen mit furchtbaren Brandverletzungen eingeliefert wurden. Jetzt, da sie von den Verletzungen berichtet, die sie bei den Frauen und Kindern gesehen hat, Verletzungen, die oft wochenlang nicht behandelt wurden, stockt der Ärztin wieder die Stimme. Es nimmt sie mit. Und man versteht, dass sie gegen diesen Missstand etwas unternehmen wollte. Frank Dengler, ihr Mann, arbeitete damals als Ingenieur bei BMW, er ahnte, es muss eine technische Lösung geben.

So entstand das Projekt: „Die Ofenmacher“. Eine einfache Idee, ein Lehmofen, der für verblüffend geringe Kosten in den Häusern installiert werden kann, ein Ofen kostet kaum 10 Euro. Mehr als 5000 hat die von Katharina und Frank initiierte Initiative inzwischen in Nepal errichtet. Unzählige Ofenbauer sind in verschiedenen Regionen des Landes unterwegs. Es ist ein erster Schritt. Ein wichtiger.

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Vom Glück der frischen Luft: Kinder an der Türschwelle – Lebensgefahr droht ihnen eher im Haus

Und auch der zweite Schritt erfolgt, die Aufklärung über die nötigen Wartungsarbeiten. Denn ein Lehmofen verrußt mit der Zeit, kann sogar verstopfen. Dann hören die Menschen einfach auf, ihn zu nutzen, und sie kochen wieder mit der offenen Feuerstelle. Es ist gelernt. Es sitzt tief. Jeder ist irgendwie bequem. Und dagegen hilft nur eins Ausbildung, Schulung. Notfalls auch mit drastischen Bildern, die wir unseren Leserinnen und Lesern ersparen wollen.

Wir finden: Die Ofenmacher sind ein tolles Projekt. Und wir mussten heute an sie denken, am Tag an dem die WHO die aktuellen Zahlen zu den weltweiten Smog-Opfern publiziert haben. Von den rund sieben Millionen Menschen, die an den Folgen der Luftverschmutzung sterben, sind 4,3 Millionen in geschlossenen Räumen betroffen. Ein kleiner Teil von ihnen hätte durch einen banalen Lehmofen gerettet werden können.

Goliath gegen Goliath. Airlines verweigern Entschädigungen, eine Agentur kämpft um die Passagier-Rechte

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Ein Paar auf Reisen: Wer in Kathmandu in einen Air-India-Jet einsteigt, durchläuft einen Extra-Security-Check. Selbst bei schlimmer Verspätung – nicht selten! – hat man gegenüber Nicht-EU-Airlines keine Ansprüche auf Entschädigung. Auch nicht, wenn man vor diesen Sicherheitsschleusen in Delhi strandet

Gegendarstellung! Anfang Februar macht der Jurist Philipp Kadelbach, auf sich aufmerksam, als er den „Spiegel“ angreift. Das Nachrichtenmagazin hatte berichtet, dass die EU die Fluggastrechte „verbessern“ wolle, bei Langstreckenflügen hätte man demnach schon bei einer Verspätung von 7 Stunden Anspruch auf eine Entschädigung, nicht erst nach 12 Stunden. Allerdings war die Rechtslage bis zur Sitzung des EU-Parlaments noch viel besser: Auf der Langstrecke stand den Passagieren bereits nach dreistündiger Verspätung Geld zu. Der Spiegel beschrieb eine Verbesserung, die keine war, und Philip Kadelbach, Mitbegründer des Rechts-Portals Flightright, publizierte eine „Gegendarstellung“, die so tatsächlich in diversen Medien abgedruckt wurde.

Seit langem kämpfen die Fluggesellschaften gegen die aus ihrer Sicht zu großzügige EU-Verordnung. Und der Druck über die Verbände war offenbar so groß, dass die von einer Kommission erarbeitete Neufassung der Verordnung eine signifikante Verschlechterung der Passagier-Rechte vorsah. Das war sogar konservativen Politikern zu viel. Das EU-Parlament ließ den Kommissionsvorschlag so nicht passieren, und in seltener Einigkeit stärkten Politiker aller Fraktionen den Verbraucherschutz.

Das ist auch nötig. Der Verkehrsausschuss des EU-Parlaments bemängelt, dass nur zwei Prozent der Passagiere, die von gravierenden Flug-Verspätungen, bzw. -Ausfällen betroffen sind, tatsächlich auch entschädigt werden. Und der Europäische Gerichtshof rügt die mangelhafte Durchsetzung von Verbraucherrechten. Die deutschen Fluggesellschaften hingegen sehen in den Bestimmungen vor allem einen Wettbewerbsnachteil gegenüber internationalen Konkurrenten. Was tun, wenn sich der gebuchte Flieger verspätet oder gar nicht abhebt? Interview mit Philipp Kadelbach.

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Horror Transit: Reise-Alptraum – in einem Großflughafen im Tunnel den Flug zu verpassen

FRAGE: Warum sollte sich ein sitzengebliebener Passagier an Flightright wenden?

Philipp Kadelbach: Der Kunde trägt mit unserer Beauftragung kein Kostenrisiko. Die Provision an uns wird nur im Falle eines Erfolges fällig. Dafür übernehmen wir den gesamten, oft zeitraubenden und für den einzelnen nicht selten aussichtslosen Schriftverkehr mit den Fluggesellschaften. Zudem verfügen wir, anders als die meisten Anwälte, nach tausenden erfolgreichen Gerichtsverfahren über eine einmalige Expertise in einem hoch komplexen Rechtsgebiet. Auch vertreten wir pro verspätete Maschine in der Regel mehrere Fluggäste, so dass wir die Erfolgsaussichten besser einschätzen und die Verteidigungslinien der Airlines besser verstehen können.

Ihre Arbeitsgrundlage ist die EU-Fluggastrechteverordnung. Wem können Sie helfen?

Jedem Passagier, dessen Flug entweder in der EU startet oder, wenn er hier landet, dessen Fluggesellschaft ihren Sitz in der EU hat. Egal ob Charter-, Linien- oder Billigflieger. Die Entschädigungsleistungen sind von den ausführenden Fluggesellschaften zu erbringen. Wir helfen Fluggästen, die Probleme hatten aufgrund von Flugverspätung, -annullierung oder unfreiwilliger Nichtbeförderung.

Wie viele Fälle übernehmen Sie jährlich?

Flightright hat seit seiner Gründung im Jahr 2010 rund 300.000 Flugreisenden helfen können.

Im ersten Schritt setzen Sie auf Einforderung der Entschädigung. Wie stehen die Chancen eines Passagiers?

Die Erfolgsquote bei den Fällen, die vors Gericht kommen, liegt bei über 95 Prozent. Mehr als 5.000 Klagen waren bereits erfolgreich.

Wie hoch sind die Entschädigungssummen durchschnittlich?

Je nach Flugstrecke staffelt sich der dem Fluggast zustehende Entschädigungsbetrag: Er hat Anspruch auf 250 Euro bei einer Distanz von bis zu 1500 km und auf 400 Euro für eine Strecke bis zu 3500 km oder längere Strecken, wenn diese innerhalb der EU liegen. Dem Fluggast stehen 600 Euro für eine Strecke größer als 3500 km, wenn diese nicht nur innerhalb der EU liegt.

In welchen Fällen hat der Kunde grundsätzlich ein Anrecht auf Entschädigung, in welchen nicht?

Grundsätzlich können Entschädigungsansprüche in Deutschland bis zu drei Jahre nach dem geplanten Flugdatum gegenüber der Airline geltend gemacht werden. Zudem setzt die Verordnung voraus, dass die Airline den Reisenden nicht innerhalb einer Frist von 14 Tagen vor geplantem Abflugdatum über die Flugänderungen informiert hat. Und der Fluggast selbst muss sich pünktlich am Check-in eingefunden haben. Nur bei Umständen, auf welche die Airlines keinen Einfluss haben, sind diese zu keiner Entschädigungsleistung verpflichtet, hierzu zählen Streiks aber auch Wetterbedingungen wie heftiger Schneefall und Eisregen oder auch eine Aschewolke, die das pünktliche Starten und Landen unmöglich machen. Sollte sich aber bei Eisregen beispielsweise der Flug verzögern, weil eine einzelne Fluggesellschaft nicht ausreichend Enteisungsmittel parat hatte, ist die Airline für die Startverzögerung verantwortlich und zu einer Entschädigungszahlung verpflichtet.

Welche Airlines sträuben sich auffällig häufig, wenn es darum geht, Kundenrechte umzusetzen?

Die einzelnen Airlines unterscheiden sich nicht wesentlich voneinander. Entschädigungszahlungen nicht zu leisten bzw. sogar auch nach Zahlungsaufforderung abzulehnen, ist gang und gäbe. Die drei Airlines mit den meisten Beschwerden bei Flightright sind Air Berlin, Condor und Lufthansa. Dass diese Fluggesellschaften an der Spitze des Rankings stehen, ist allerdings auch darauf zurückzuführen, dass es sich um Airlines mit verhältnismäßig großem Flugaufkommen in Deutschland handelt.

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Weitere Infos über aktuelle Entschädigungsansprüche auf dieser Seite des Luftfahrt-Bundesamtes, Kontakt zum Unternehmen von Philipp Kadelbach, hier.

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Quizfrage: Welche Eigenschaft müssen moderne Reisenden haben? Richtige Antwort: Geduld

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Feuerwerk_pushresetHinweis: Dieser Artikel entstand in Kooperation mit Flightright

Reise nach Indien: ein wundervoll kompliziertes Land

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Ein Paar auf Reisen: Rikscha-Fahrer – das beste Fahrzeug in Delhi – warten auf Kundschaft

Ein Bericht von Susanne Baade (Fotos) und Dirk Lehmann (Text)

Anfangs fanden wir es, nun ja, amüsant. Dass uns in Delhi, etwa am India Gate oder vor den Ruinen in der Ausgrabungsstätte Qutb Minar, immer wieder Männer ansprachen: „Have a photo with you and me…“ Wildfremde wollten mit Susanne und mir fotografiert werden. Einmal haben wir es gemacht, offenkundig ahnungslos. Beim zweiten mal auch, doch wurden dann hellhörig, als es erst hieß: „Make a photo with you two.“ Und dann: „Make a photo only with you.“ Dabei zeigte der kleine Mann auf Susanne. Hä? Was geht hier ab? Zieh Leine…

Ab dem Zeitpunkt achteten wir deutlicher auf das Verhalten indischer Männer. Und dabei sind uns viele der Muster aufgefallen, die in hintergründigen Artikeln über Rollenklischees in dieser Gesellschaft immer wieder dargestellt wurden: Dass es einen krassen Widerspruch gibt zwischen tradierten Strukturen und modernen Tendenzen, so ist es einerseits nahezu unmöglich, aus niederen Schichten aufzusteigen, die Gesellschaft gilt – wie viele – als hermetisch. Doch andererseits können Frauen ganz selbstverständlich in Indien eher politische Karriere machen als woanders. Im Alltag fiel uns oft auf, dass es extrem von der Umgebung abhing, ob Susanne angegafft oder respektiert wurde. In Delhi kam es immer wieder zu Situationen wie der oben beschriebenen. Im Pilgerzentrum Rishikesh nie.

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Hotelbewertungen: Holidaycheck, der „Code of Conduct“ und der Fehler im System

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Keine Einkaufsmeile weit und breit, nur Natur: die „Hubertus Lodge“ in Balderschwang

Bei Holidaycheck kann man Hotels bewerten und buchen. Ein „Code of Conduct“ soll für klare Spielregeln sorgen. Doch das Portal steht im Zentrum eines kaum lösbaren Konflikts

von Susanne Baade (Fotos) und Dirk Lehmann (Text)

Holidaycheck, so heißt es, will ab sofort mit mehr Nachdruck den eigenen „Code of Conduct“ durchsetzen. Auslöser war die Recherche einer RTL-Reporterin, die ein 4-Sterne-Hotel sehr kritisch bewertete. Das bekam jemand aus dem Management mit und stellte der Reporterin ein Zimmer-Upgrade in Aussicht – falls sie das Haus positiv beurteilen würde. Hotels, die mit solchen Mitteln arbeiten, erhalten demnächst eine Abmahnung. 

Holidaycheck_Tatjana_pushresetDer Code of Conduct schreibt vor, dass ein Hotel seine Gäste zur Bewertung ermutigen darf, dass dafür auch kleine Geschenke als Anreiz erlaubt sind. Doch darf das Hotel die Gäste nicht unter Druck setzen, das Geschenk darf nicht abhängig sein vom Inhalt der Bewertung.

Ich finde es gut, gegen Betrug bei Hotelkritiken vorzugehen. Es hätte keiner RTL-Reporterin bedurft, um aktiv zu werden. Viele dieser und ähnlicher Fälle sind seit Jahren bekannt und sogar in Holidaycheck selbst dokumentiert. So schreibt etwa „Tatjana“ in ihrer Bewertung aus dem Jahr 2010, dass das „Hotel Delphin Diva Premiere“ in Antalya Gutscheine verlost „pro positive Bewertung“. Es irritiert, dass das Haus im Jahr 2013 den „Holiday Check Award“ als eines der besten Familienhotels gewann.

Eine Auszeichnung, die noch seltsamer wirkt, da Tatjana darauf hinweist, mehrere Kinder seien an Brechdurchfall erkrankt. Eine banale Google-Recherche – Suchbegriff: „Delphin Diva Premiere Durchfall“ – ergibt dann mehr als 8000 Ergebnisse zum Thema. Und man ahnt, hier stimmt was nicht.

Da, hach ich nerve mich ja schon selbst damit, setzt meine Grund-Kritik an Holidaycheck an: Der Fehler liegt im System. Holidaycheck versucht, beides zu sein: Hotelbewertungs- und Hotelbuchungsportal. Ein nicht ganz einfacher Spagat. Der nur funktioniert, wenn mit größter Sorgfalt vorgegangen wird. Nur wenn die Hotelkritiken stimmen, ist Holidaycheck auch glaubwürdig. Das Portal tut nicht immer genug dafür, den Wahrheitsgehalt der Bewertungen zu überprüfen.

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Dass es Optimierungsbedarf gibt, zeigen andere vermeintliche Gäste-Urteile für das oben genannte Delphin Diva Premiere. So bewertet ein Gast namens „Thomas“ das Hotel mit der Höchstnote 6.0. Er will im November einen vierwöchigen Badeurlaub in dem Haus verbracht haben, es war angeblich seine zehnte Reise ins Delphin. Thomas postet seit Oktober 2008 bei Holidaycheck. Es ist das Jahr, in dem das Delphin Diva Premiere eröffnet hat. Sein Profil ist nicht freigegeben…

Holidaycheck_Thomas_pushresetKlar, man kann in fünf Jahren zehn Mal ins selbe Hotel reisen. Man kann immer begeistert sein. Aber schreibt man dann in der Bewertung wirklich nur, „dieses Hotel lässt für keinen Gast Wünsche offen“, hier muss man „sich einfach wohlfühlen“, ein „großes Dankeschön an das ganze Hotelteam“? Würde man nicht einzelne Mitarbeiter beim Namen nennen, den Hoteldirektor loben, auf einen nette Geste anlässlich des zehnten Besuchs hinweisen (oder ihr Ausbleiben kritisieren)?

Nicht minder irritierend ist das Bewertungssystem. Thomas gibt an, als „Paar“ verreist zu sein, und im Feld, in dem die Gäste angeben, mit wie vielen Kindern sie in dem Hotel waren, heißt es bei Thomas logischerweise: „keine“. Dennoch bewertet er die Familienfreundlichkeit mit der Höchstnote 6.0. Okay, das mag nur eine Kleinigkeit sein. Aber davon gibt es einige. Und man fragt sich: Wieso reagiert bei Holidaycheck niemand auf solche Ungereimtheiten?

Holidaycheck_Melanie_pushresetDoch nicht nur übertriebenes Lob macht stutzig, auch unangemessene Kritik. So hat „Melanie“ ein Wochenende in der „Hubertus Alpin Lodge“ in Balderschwang verbracht. Sie gibt an, „als Freunde“ verreist zu sein, in einer „Junior Suite“ mit Blick „zum Innenhof“ gewohnt zu haben, Kinder „keine“. Doch bewertet sie in ihrer eigentlich positiven Kritik die Familienfreundlichkeit des Hotels mit mäßigen 3.0 und die Einkaufsmöglichkeiten in der Umgebung mit einer mageren 2.0.

Wir kennen die Hubertus Lodge, wir haben das Haus auch vorgestellt, es zählt sicherlich zu den besten Resorts in Deutschland. An Suiten „mit Hofblick“ können wir uns nicht erinnern. Es gab Familien mit Kindern, sie wirkten ganz zufrieden. Völlig absurd aber ist es, ein Hotel, das in einem Dorf in den Bergen liegt, für fehlende Shopping-Möglichkeiten abzuwerten. Bei einem Resort auf einer Malediven-Insel tut man das ja auch nicht.

Welche Möglichkeiten hat ein Hotelier, sich gegen solche Fehl-Bewertungen zu wehren? Das Team der „Hubertus Alpin Lodge“ schreibt mantra-artig in Stellungnahmen dagegen an. Andere Hoteliers ermutigen die Gäste, ihr Haus vor allem zu loben. Doch grundsätzlich liegt der Fehler im System.

Es ist gut, dass Holidaycheck einen „Code of Conduct“ hat und den umsetzen will. Es wäre noch besser, wenn das Portal viel aufmerksamer und kritischer wäre. Und mir fällt eine Forderung wieder ein, die ich schon vor einiger Zeit geäußert habe: Portale wie Holidaycheck brauchen Moderatoren, die die Glaubwürdigkeit einzelner Bewertungen objektiv hinterfragen.

Dubai 2020 – ein Land mit Vision erhält den Zuschlag für die Expo

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Ein Paar auf Reisen in Dubai: „Connecting Minds“ lautet der Slogan für das Expo-Projekt der Hauptstadt der Arabischen Emirate – illustriert von diesem Helm-Mann

Ein Reisebericht aus Dubai von Susanne Baade (Fotos) und Dirk Lehmann (Text)

Die Chinesen sind die Helden auf der Fähre zurück von Libanon nach „The Palm“. Denn die Chinesen haben das Feuerwerk geliefert, mit dem die Araber den Sieg über Russen, Türken und Brasilianer feierten. 200.000 Euro soll es gekostet haben. 30 Minuten lang stiegen Raketen in den Nachthimmel über der künstlichen Inselgruppe „The World“ auf. Und beleuchteten einen Abend, an dem wohl alle vergessen haben, dass die „Welt“ momentan noch fast ohne Leben ist. Nur das dem Libanon nachempfundene Eiland wurde bisher eröffnet – als Beachclub. Es gibt ein paar Umkleidekabinen, Duschen, ein Restaurant und eine Tanzfläche mit Bühne. Man kann Libanon mieten für Familienfeiern und große Feste.

Am Mittwoch haben sich auf der Insel rund 100 Ehrengäste und Touristiker eingefunden, vor allem Hoteliers der ebenfalls künstlichen „The Palm“. Viele Häuser haben da kürzlich eröffnet, etwa ein „Sofitel“ und das „Anantara“, mit seinen für diese Destination ungewöhnlichen Overwater-Bungalows. Andere Hotels gehen im nächsten Jahr an den Start, ein großes „Kempinski“, ein elegant-weißes Waldorf-Astoria. Und für sie alle ist der Abend auf Libanon ein sehr wichtiger: Vier Städte hatten sich für die Ausrichtung der Expo im Jahr 2020 beworben, Sao Paulo, Izmir, Jekaterinburg und Dubai. Am Ende hat die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate gewonnen. Weiterlesen