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Beiträge aus der Kategorie ‘Antarktis’

Kreuzfahrt in die Antarktis – Abschied vom Ewigen Eis, Sturm vor Kap Hoorn und letzter Halt in Ushuaia

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Eislandschaft in XXL:  Rotjacken in weißer Weite, Pinguine und der Staub des Gletschers

Ein Reisebericht von Susanne Baade und Dirk Lehmann

Es klingt, als würde ein Stück von der Welt abbrechen. Es beginnt mit einem tiefen Grollen, das übergeht in ein helles Reißen. Und dann plötzlich zur Ruhe kommt. Wer sich je die Frage gestellt hat, wie sich das wohl anhören mag – eine unheilvolle Stille, der muss zu einem Gletscher reisen, der sich ins Meer schiebt. Man wartet auf den Knall. Doch der bleibt aus.

Wir stehen auf einem Schneefeld in Neko Harbour, das sich in einem weichen Bogen über einen Hügel legt, die Oberfläche ist glatt als wäre sie frisch asphaltiert, und sehen dem Gletscher beim Kalben zu. Besser gesagt, wir versuchen dabei zuzusehen. Ein erneut unfassbar schöner Tag, die Sonne scheint, die Luft ist so klar, dass es keine Distanzen gibt, alles wirkt greifbar nah – wie die Bremen in dem von weißen Eisbrocken gesprenkelten tintenschwarzen Wasser liegt. Wie die weißen Wolken an den strahlend weißen Schneebergen hängen, die einige Kilometer entfernt und mehr als 1000 Meter hoch die Bucht begrenzen. Wie der Gletscher, ein Wall aus grün-blau schimmernden Eisquadern, auf das Wasser zurollt. Eine Welt scheinbar ohne Distanzen. Doch erst wenn man sich aufmacht, diese überwinden zu wollen, stellt man fest wie weit entfernt alles. Weiterlesen

Kreuzfahrt in die Antarktis – Eis-Paradies, Pinguin-Zähler und die „Kodak-Falle“

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Farbenspiel: Weiß und blau ist das Eis, schwarz der Fels – und „Brown“ heißt die argentinische Station mit den roten Holzhäusern

Ein Reisebericht von Susanne Baade und Dirk Lehmann

Einst waren die Wal- und Robbenjäger die einzigen Bewohner der Antarktis, heute sind es die Wissenschaftler und ihre Helfer. Etwa 80 Forschungsstationen gibt es hier. Rund die Hälfte werden ganzjährig betrieben, die anderen sind nur im Sommer geöffnet. Vielfach, so erfährt man, steht vor allem meteorologische oder geologische Forschung im Vordergrund, es werden Seevögel oder Pinguine untersucht. Und angesichts der vielen Pinguin-Zähler kann man annehmen, dass der Kenntnisstand über die Tiere phänomenal sein dürfte.

28 Staaten betreiben eine oder gleich mehrere Stationen auf dem sechsten Kontinent. Manche, so sagen Kritiker, haben mit Forschung nichts zu tun sondern dienen bloß dazu, Gebietsansprüche zu demonstrieren. Tatsächlich war und ist die Antarktis Schauplatz so mancher diplomatischer Verwicklung, so wurde der Kalte Krieg auch hier fortgeführt, Amerikaner und Russen versuchten sich mit Stützpunkten zu übertrumpfen. Und das Gedankengut lebt fort: Nachdem Indien eine Station eingeweiht hatte, ließ nur wenig später auch Pakistan die Eröffnung einer eigenen Basis verkünden. Kaum waren die Chinesen präsent, hissten auch die Südkoreaner hier ihre Flagge. Weiterlesen

Kreuzfahrt in die Antarktis – Eisbrecher im Vulkankrater und ein Bad im Südpolarmeer

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Krasse Kontraste: Bedeckt von Schnee und Eis ist Deception Island, eine Vulkan-Insel in der Antarktis. Ihr heißer Strand bringt das kalte Meerwasser zum dampfen 

Ein Reisebericht von Susanne Baade und Dirk Lehmann

Nirgends auf der Welt ist es so einsam wie in der Antarktis. Die Landmasse von der Größe Europas hat keine Ureinwohner. 40 Forschungsstationen wurden errichtet, die meisten sind nur im Sommer besetzt, oft liegen einige hundert Kilometer zwischen ihnen. Im Winter, wenn die Sonne nie aufgeht, und wenn das Packeis so mächtig wird, dass es die Antarktis um bis zu eintausend Kilometer breiter macht, zeigt sich der Südpol so unwirtlich wie ein fremder Planet – mit Durchschnittstemperaturen von −30 bis −60 Grad und Stürmen, die mit 300 Kilometern pro Stunde über das von einer kilometerdicken Schneeschicht bedeckte Land rasen.Whalers_Bay_Hanger_aussen.jpg

Verlassener Fortschrittsglaube: 1928 startete der Australier Hubert Wilkins von Deception Island zu Erkundungsflügen über die Antarktis. Die Hangar stammt aus den 1960er-Jahren

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Kreuzfahrt in die Antarktis – Sturm in der Drake-Passage und MacGyver im Schlauchboot

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Auch das gehört zum Abenteuer Antarktis: ein Sturm schüttelt die Bremen

Ein Reisebericht von Susanne Baade und Dirk Lehmann

Für Wetter-Fans muss das aufziehende Tiefdruckgebiet ein Traum sein. Der Luftdruck fällt in kurzer Zeit von 1017 Hektopascal auf 982, ein Wert, den man auf der anderen Erdhalbkugel nur selten an einem Barometer ablesen kann. Mit einer Zuggeschwindigkeit von rund 100 Kilometern am Tag bewegt sich die Schlechtwetterzelle auf Südgeorgien zu, mit Windstärken von 12 Beaufort und darüber. Auf der Wetterkarte ist der zentrale Bereich des Tiefs violett eingefärbt, der ultimativen Farbe in den Unwetterskalen. Es muss mit einer Wellenhöhe von zehn Metern und mehr gerechnet werden. Was ein prachtvoller Sturm! Doch in den Gesichtern der Passagiere, die vom Kapitän auf das bevorstehende vorbereitet werden, zeichnet sich alles mögliche ab – nur keine Begeisterung.

Am Nachmittag hatten wir Kapitän Mark Behrend auf der Brücke besucht. Er nahm sich viel Zeit, uns das bevorstehende Wetter zu erklären. Behrend arbeitet mit mehreren Informationsdiensten, die er per Internet abfragt. Auf den Ausdrucken lässt sich gut erkennen wie der Sturm auf die Meerenge zwischen Südamerika und Antarktis zurauscht und immer mehr an Format und Fahrt gewinnt. Die 1200 Kilometer weite Drake-Passage ist berühmt berüchtigt für ihre Stürme, die hier von keiner Landmasse gehemmt werden und die See zu hohen Wellen aufpeitschen. Genährt werden sie zudem von extremen Unterschieden der Wassertemperatur. Rund 8 Grad warm ist der Südatlantik, das Südpolarmeer misst nur rund 2 Grad.

Eigentlich muss uns das noch gar nicht interessieren. Die Drake-Passage steht uns erst auf der Rückreise bevor, wenn die Bremen aus der Antarktis aufbricht mit Ziel Kap Hoorn. Doch das Tiefdruckgebiet bewegt sich in unsere Richtung. Es bleibt bloß die Frage, welchen Kurs es genau nimmt, frontal auf Südgeorgien zu oder dreht es nach Süden ab? Und wohin fährt unser Schiff? Weiterlesen

Kreuzfahrt in die Antarktis: Südgeorgien – verlassene Walfangstationen und Shackletons Grab

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Geisterstadt im Südpolarmeer: Ein Königspinguin watschelt zur Kirche, zwei Robben dösen vor rostigen Schiffen. Die Walfangstation Grytviken in Südgeorgien verfällt

Ein Reisebericht von Susanne Baade und Dirk Lehmann

Auf der Flensplattform liegt ein Wal, vor ihm posieren die Männer mit ihren scharfen Messern, bereit das gewaltige Tier aufzuschneiden. Nur der so genannte Blubber, die den Tran enthaltende obere Hautschicht des Wals, interessiert die Arbeiter. Sie lösen das Fett aus und kochen es in riesigen Kesseln ab, um daraus Öl zu gewinnen. Es ist ein begehrter Rohstoff im Europa des beginnenden 20. Jahrhunderts. Und weil man mit dem Rest des Säugers noch nichts anzufangen weiß, zerrt man den durch die Flensmesser gehäuteten Kadaver einfach ins Meer, wo er verwest. Beißender Gestank liegt in der Luft – und das Geschrei der Raubmöwen, die die Knochen abpicken.

Die 1904 auf Südgeorgien gegründete Walfang-Station Grytviken verarbeitet in ihrem ersten Jahr 184 Wale, bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges werden von hier aus mehr als 28.000 Tiere erlegt, bis Mitte der 1960er Jahre sind es rund 175.000. Dann wird auch Grytviken – wie vorher die anderen Stationen dieser Art auf der Inselgruppe – aufgegeben. Der Walfang lohnt nicht mehr. Statt Tran verwendet man nun Erdöl als Schmier- und Brennstoff. Zudem sind die Bestände völlig dezimiert. Konnte man um 1930 noch rund 30.000 Blauwale fangen, ziehen die rund 30 Jahre später in der Antarktis operierenden Walfangschiffe aus aller Welt nur noch 20 Tiere an Bord. Das größte Lebewesen der Erde ist nahezu ausgerottet. Weiterlesen

Kreuzfahrt in die Antarktis: Südgeorgien – Pinguine, Seebären und der erste Eisberg

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Tag der Grauwerte: Nur die Rettungswesten der Zodiac-Fahrer setzen schwache Farbakzente in diesem anfänglich sehr nebeligen Tag vor Südgeorgien. Die Inselgruppe im Südatlantik liegt unter einer dicken Wolkendecke

Ein Reisebericht von Susanne Baade und Dirk Lehmann 

„Wer will morgen Sonne haben, bitte den Arm heben.“ Kapitän Mark Behrend steht in der Panorama Lounge vor den großen Scheiben, durch die man normalerweise einen tollen Blick auf das Meer hat. Und auf der Überfahrt von den Falklands nach Südgeorgien haben wir viel See gesehen. Sehr viel See. Doch jetzt sind die Vorhänge zugezogen. Expeditionsleiter Stefan Kredel hat in die Lounge gebeten, um die Passagiere mit den „Bio-Security“-Vorkehrungen für die Inselgruppe im Südpolarmeer vertraut zu machen, Besucher dürfen kein Saatgut auf die Inseln bringen. Um zu vermeiden, dass das zufällig geschieht, müssen Taschen, Schuhe, Mützen, Kamerastative, ja sogar Jackenklettverschlüsse, gereinigt werden (es gibt an Bord dafür extra eine Stiefelwaschanlage). Auch die nächsten Anlandungen sollten thematisiert werden. Doch vorerst spricht der Kapitän und droht, angesichts der vielen erhobenen Arme, mit gespielt vorwurfsvoller Stimme: „Das habe ich mir gedacht. Deshalb will ich Ihnen zeigen, warum Sie sich besser kein schönes Wetter wünschen sollten.“ Weiterlesen

Kreuzfahrt in die Antarktis: Pinguine im Südpolarmeer – die Könige von Volunteer Beach

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Besuch von Übersee: Am Morgen ankert die Bremen vor Volunteer Beach, auf dem Strand lebt die größte Königspinguin-Kolonie der Falkland Inseln

Ein Reisebericht von Susanne Baade und Dirk Lehmann

Sie knuffen und schubsen einander, rempeln und radauen und wackeln mit ausgestreckten Flügeln – als würden sie die Arme in die Hüften stemmen – über die Wiese hinter dem Strand von Volunteer Beach: Vier Königspinguine, die offenbar erst vor kurzem ihren braunen Babypflaum abgeworfen haben, und jetzt schon auf dicke Hose machen. „Halbstarke“, sagt einer der Lektoren und lacht, „die wollen nur spielen.“

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Kreuzfahrt in die Antarktis: zu Besuch bei Albatrossen und Rockhoppern

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Große Bühne für einen kleinen Kerl: Felsenpinguin auf New Island, einer Falkland Insel

Ein Reisebericht von Susanne Baade und Dirk Lehmann

Beim Abendessen gibt es nur ein Thema: Zu welcher Zodiac-Gruppe gehört ihr? Die erste Anlandungen dieser Seereise steht bevor. Auf New Island, einer der Falkland Inseln, werden wir Pinguine, Albatrosse und Blauaugenkormorane sehen. Doch spannender als die Tierwelt ist für die meisten Passagiere das Abenteuer Zodiac. Auf Deck 7, hinter dem Vier-mal-drei-Meter-Pool, der mit bis zu 32 Grad Wassertemperatur eigentlich eher eine großzügige Whirlwanne ist, liegen die Schlauchboote aufgestapelt. Schon ihre Namen, in weißen kantigen Buchstaben auf das schwarze Gummi gepinselt, machen klar, nicht sommerliche Spritztouren stehen auf dem Programm sondern den Horizont erweiternde Erkundungsfahrten – „Kamchatka“, „Alaska“, „Antarctica“. Weiterlesen

Kreuzfahrt in die Antarktis: Eine Welt aus Eis und Licht

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Das Licht am anderen Ende der Welt: Sonnenuntergang über dem Südatlantik

Ein Reisebericht von Susanne Baade und Dirk Lehmann

Übermut? Ist es das, was unseren Kapitän treibt? Jedenfalls hören wir ihn durch die Lautsprecher sagen, dass er das Schiff wenden lässt, dass wir ein paar Seemeilen in die falsche, in die Gegenrichtung fahren werden, damit auch die Gäste auf der Steuerbordseite diesen Sonnenuntergang sehen können. Dann dreht die „Bremen“, und wir, die wir bisher auf der falschen Seite saßen, erkennen plötzlich, was gemeint ist. Wir sehen Farben, wie sie zauberhafter nicht sein können. Als Postkarte wäre der Anblick schlimmster Kitsch, doch live ist er von atemberaubender Schönheit. Nein, dieser Kapitän hat nichts von einem Hallodri. Er hat eher etwas von einem Romantiker.

In den nächsten Tagen werden wir noch andere Seiten von Mark Behrend kennen lernen. Doch erst gilt es sich zu orientieren auf dem Schiff, das uns bis zur Antarktischen Halbinsel bringen wird. Anfangs nehmen wir Kurs auf die Falkland Inseln, dann drehen wir nach Osten mit Ziel Süd-Georgien und fahren von da, in etwa entgegengesetzt der Route Shackletons, als der Hilfe holte für die zurückgelassenen Männer seiner gescheiterten Antarktis-Durchquerung, bis Elephant Island. Auf der Rückreise durchqueren wir die für ihre heftigen Stürme berüchtigte Drake-Passage und umrunden das Kap Hoorn, im argentinischen Ushuhaia endet unsere Kreuzfahrt. Auf unserer Reise werden wir Albatrosse und Pinguine sehen, Seelöwen und Wale, die ausgefransten Schaumkronen der Wellen und die scharfen Kanten der Eisberge. Und je näher wir dem Südpol kommen, desto heller werden die Nächte. Weiterlesen

Von Buenos Aires über Montevideo nach „Bremen“

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Fußball, Glaube, Widerstand – Straßenecke im Stadtteil La Boca von Buenos Aires, in dem die erfolgreichste Mannschaft Argentiniens ihr Heimatstadion hat: Boca Juniors

Ein Reisebericht von Susanne Baade und Dirk Lehmann

9 Stunden dauert der Flug von Delhi nach Mailand, 1 Stunde der nach Rom, 14 Stunden sind es dann nach Buenos Aires, macht 24 Stunden in drei Flugzeugen. Wer einmal um die halbe Welt fliegt – tatsächlich legen wir knapp 20.000 Kilometer zurück –, braucht gutes Sitzfleisch. Und etwas Glück.

Mehrere Airlines bieten Verbindungen für die Verbindung Delhi – Buenos Aires an, meist muss man zwei Mal umsteigen. Anfangs favorisierten wir die Verbindung über London und New York, günstiger Flug, mehrere Maschinen pro Tag. Doch dann schrecken uns die Visums-Regelungen der USA ab (selbst Transit-Passagiere brauchen eine ESTA-Genehmigung, das Gepäck muss in Amerika „identifiziert“ werden). Dass uns Sturm Sandy zudem einige Verspätung eingebracht hätte, war nicht absehbar. Weiterlesen