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Double Room with a view. „Reiter’s Posthotel“ in Achenkirch – ein Haus geht seinen Weg

Susanne ahmt den Shaolin Mönch nach

Die Berge rund um Achenkirch

Ein Paar auf Reisen: Wolken über Achenkirch in Tirol, blauer Himmel und viel Schnee

Ein Hotelportrait von Susanne Baade (Fotos) und Dirk Lehmann (Text)

Ein Ruf kann eine Bürde sein, selbst ein guter. Das „Reiter’s Posthotel“ in Achenkirch hat mehr als einen guten Ruf. Fast egal, welche Kritiker man bemüht, die meisten haben lobende Worte für das Haus. Der „Gault Millau“ schätzt die „sehr gute Küche“, der „Relax-Guide“ das „schlicht beeindruckende“ Wellness-Angebot, und im Bewertungsforum „Holidaycheck“ sind mehr als 500 Meinungen zu finden, sie fallen so positiv aus, dass am Ende 5,8 von 6 möglichen Punkten erreicht werden und eine Weiterempfehlungsrate für die Post von 98 Prozent.

der Ying und Yang PoolViele schöne Pferde stehen in den Boxen

Die Unique Selling Points des Posthotels: 7000 Quadratmeter Wellness und die Lipizzaner

Wer sich in der Hotellerie auskennt, wird zudem wissen, dass das Posthotel der Ursprung der Wellnesshotellerie ist. Das Konzept dieses Hauses war Vorbild für unzählige andere, die „Post“ ist eine Legende – allerdings eine sehr lebendige, wie sich noch zeigen wird. Und doch nähert man sich mit all diesen Infos im Kopf dem Hoteldirektor mit Respekt, erwartet gar, einen überheblichen Macher anzutreffen, dem der Erfolg aus jeder Pore dringt.

Die Auffahrt zum Posthotel die Ahnentafel Die Einkausgalerie viele Schilder weisen die Wege

Ort mit Geschichte: die Kirche im Dorf und das Hotel, das vor 100 Jahren ein einfacher Gasthof war, und inzwischen ein weitverzweigtes Labyrinth aus Gängen mit Schildern und Shopping-Angeboten

Dann sind wir umso überraschter, dass uns ein nachdenklicher Karl Reiter junior im Kaminzimmer des Hotels gegenüber sitzt. Der junge Mann leitet das Haus seit sein Vater auszog. Das war vor zehn Jahren, es markierte das Ende einer harmonisch wirkenden Hoteliers-Familie, und es war der Beginn einer besonderen Karriere. Karl junior war erst 26 Jahre alt als er zum Chef eines traditionsreichen Hauses wurde – mit mehr als 100 Zimmern und rund 7000 Quadratmetern Wellness.

Anfangs hat der Junior vor allem das Erbe gehütet. Inzwischen ist er ein „alter Hase“, selbst Vater, und behutsam sucht der junge Mann einen eigenen Weg für das Posthotel: Ein Umbau steht an, ein Vital-Center soll entstehen. Denn das ist der Schritt, den der junge Karl gehen möchte – ein auf Gesundheit ausgerichtetes Hotel. Und das passt zu ihm. Karl Reiter ist ein schlanker Mann, sportlich, muskulös, er träumt davon, einmal den 8,4 Kilometer messenden Achensee der Länge nach zu durchschwimmen, hat aber kaum genug Zeit für das nötige Training. Uns imponiert der wache, sehr ruhige Blick. Ein Beleg auch dafür, dass die Arbeit im Hotel fürs Leben schult.

Abendkarte

Glänzende Gabelzinken und das vegetarische Abendmenü: mit Weinsuppe, Nockerln und Risotto

Der Karl ist ein netter. Alle mögen ihn, die Mitarbeiter, die wir hinterrücks 😉 nach ihm aushorchen, aber besonders die Gäste. Während wir uns mit dem Chef unterhalten, wird er ständig begrüßt und angesprochen, und er weiß immer etwas persönliches zu sagen. Bemerkenswert, an wie viele Menschen sich ein Profi erinnern kann (wäre doch eine witzige Idee für Wetten-dass: Wie schnell kann sich ein Hotel-Profi wie viele persönliche Gäste-Details merken?). Und es fällt auf, dass die meisten deutlich älter sind als Karl junior, die Frauen verhalten sich ihm gegenüber freundlich, jovial, fürsorglich, die Männer wie väterliche Freunde.

Dirk am Buffet Julia serviert uns jeden Abend mit einem Lächeln das Essen Der Hoteldirektor, Karl Reiter jr. die Deko im Hotel lauert in jeder Ecke

Gastfreundschaft, klar definiert: am Buffet, mit Julia, und ein Portrait von Karl Reiter junior

Seit 1918 gibt es die Post in Achenkirch. Eine Metzgerei, die zum Gasthof wurde, sich vor 30 Jahren als Wellness-Hotel etablierte. Und immer waren die Reiters eigenwillig. Ein Reitstall mit Lipizzaner-Zucht gehört zum Haus, ein Golfplatz, eine Alm, eine Landwirtschaft. Und aus Traditionspflege ist dies ein moderner Betrieb, der Nachhaltigkeit weiter denkt als viele Wettbewerber: „Bei uns kommen nicht nur die Edelteile eines Tieres auf die Teller, nicht nur die Filets“, sagt der Chef, „wir verwerten das ganze Tier. Es ist unsere Art, dem Leben Respekt zu zeigen.“

Jetzt nähern wir uns der Seele dieses besonderen Hotels mit eigener Bäckerei für Brot und Kuchen, eigener Meierei für Milch- und Käseprodukte, das schon immer auf Regionalität gesetzt hat, lange bevor der Begriff modern wurde. Am Abend werden wir im Restaurant bedient von Julia. Die junge Deutsche führt uns mit bayerischem Humor und viel Herz durch die Menüs. Bereits an der Speisekarte zeigt sich, wie fortschrittlich es zugeht im altehrwürdigen Gewand der Stuben mit ihren Kassettendecken, den hellen Holzwänden mit historischen Schwarzweißfotos. Ganz selbstverständlich finden wir ein vegetarisches Menü auf der Karte, und zu den klassischen Angeboten immer auch eine Low-Carb-Variante.

Der Dojo des Hotels Susanne ahmt den Shaolin Mönch nach

Raum für den eigenen Ausdruck: Tai-Chi-Kurs mit einem sehr zarten Shaolin-Mönch

Wir haben viel Restauranterfahrung, wir essen gern. Und wir sind oft begeistert von den Speisen, die uns im Posthotel serviert werden. Vor allem aber beglücken uns die Weine. Der Keller umfasst mehr als 20.000 Positionen. Zum Abendessen empfiehlt uns der Sommelier den vielschichtigen „Sempre“ vom Weingut Juliana Wieder, eine ausdrucksstarke Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Blaufränkischem. Eine gute Wahl.

der Shaolin-Mönch aus China Die Grotte zum Wellness-Tempel

Sehnsucht Selbstfindung: mit Shaolin-Mönch und in der Wellness des „Versunkenen Tempels“

Ein wenig schwer ist der Schritt als wir uns auf den Weg ins Zimmer machen. Es ist gut, dass überall Schilder den Weg weisen. Dabei ist das das einzige, das uns weniger gefällt an der Post, die vielen unterirdischen Gänge, die die verschiedenen Häuser verbinden. Der Deko-Spielkram mit Statuen und Wasserspielen, der die Tunnel schmückt. Aber andere Gäste finden es romantisch.

Der Innen- und Außenpool

Wasser, Yin und Yang: das temperierte Hallenbad – und draußen die beiden Heiß- und Kaltbecken

Wir hingegen mögen die Aussicht, stehen auf unserem Balkon im 4. Stock. Der Blick geht über den Yin und Yang Pool, ein Warm- und ein Kaltwasserbecken, nahe der Blockhütten-Sauna, der schönsten der zehn Schwitzstuben. Man sieht über die Innen- und Außenpools und über die Kuppel des „Versunkenen Tempels“, einer unterirdischen Wellness-Anlage. Wir sehen die Berge, über denen schwer die Nacht liegt wie eine dunkle Decke. Hinter dem Hotel ragt der Kirchturm von Achenkirch auf. Er markierte einst das Zentrum des Dorfes. Längst pilgern mehr Besucher in die Post mit ihren Wohlfühl-Angeboten.

der versunkene Tempel das Dampf-Bad

Kulisse für das Wohlgefühl: Kuppeln und Kugeln – die unterirdische Wellness-Anlage

Vor drei Jahren hat Karl Reiter all seinen Mut zusammen genommen und auf die Meinung seiner Gäste gehört, die wünschten sich, das Hotel wäre kinderfrei. Nun muss man also mindestens 14 Jahre alt sein, um hier wohnen zu dürfen. Eine Entscheidung, die dem Junior-Chef nicht leicht gefallen ist, erst recht seit er selbst zwei Kinder hat. Aber er geht den Weg, den ihm die Gäste weisen. Und vielleicht ist ein wesentliches Merkmal des Erfolgs der Post: Dass man nicht auf Kritiker hört und immer besserwisserische Journalisten, sondern auf die Meinung der Zielgruppe.

Bank in der Sonne

Vitamin D für alle: Auf der Bank muss der Schnee schon Platz machen für die Sonne

Wir schlafen gut, sehr gut. Auch das ist ein Thema in diesem Haus – der erholsame Schlaf. Man kann Vorträge dazu besuchen. Und mit Kissen und Bettdecken experimentieren. Mancher Hotelgast mag Schlaf für die Kernkompetenz eines Hotels halten. Doch offenbar tun sich viele schwer mit der Nachtruhe. Und für Karl Reiter gibt es keine Tabus. Das ist es ja, was der Post einen so guten Ruf beschert hat: die Lust an der Veränderung, die Neugier.

der Schnee funkelt im Gegenlicht Post Hotel, Achenkirch, Tirol. copyright www.pushandreset.com

Erst a), dann b): Nach einer sonnig-kalten Winterwanderung freut man sich auf die Hüttensauna

Was uns gefällt:

Sie sagt: Ich mochte die Intensität der Wellness-Angebote. Die Tai-Chi-Stunde mit dem Shaolin-Mönch hat mich sehr berührt. Und obwohl ich schon so lange Yoga mache, kam ich mir im Vergleich zu dem sich so fließend bewegenden Meister unglaublich träge und steif vor.

Er sagt: Sehr gutes Essen, sehr tolle Menschen und eine ganz große CSR. Mich beeindruckt die Haltung des Unternehmens zu Ernährungs-Themen wie Fleischkonsum, Gemüseanbau und Brot, das man hier selbst backt. Oder das Mitarbeiter-Haus, für 7 Millionen Euro wurde eine moderne Unterkunft errichtet, weit genug weg vom Hotel. Respekt gegenüber Karl Reiter für den großartigen Umgang mit dem Team.

Tanz am Abend

Big Party: Abends wird getanzt zu Country and Western-Musik, made in Tirol

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Reiter’s Posthotel, Achenkirch 382, A-6215 Achenkirch, Tel. 0043 5246 6522

Feuerwerk_pushresetHinweis: Die Recherchereisen für diesen Blog werden zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien, Reedereien und/oder PR- bzw. Tourismus-Agenturen. Unsere journalistische Freiheit bleibt davon unangetastet. Wir danken Carl Reiter junior von Reiter’s Posthotel dem tollen Team von Maro & Partner.

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