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Salzburg im Winter: Tradition und Gegenwart, Christkindlmarkt und moderne Kunst

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Ein Paar auf Reisen: Salzburg im Winter – die Festung über der Stadt und der heilige Schein

Wir sind keine Christkindlmarkt-Romantiker. Doch haben manche Städte in der Weihnachtszeit
einen besonderen Zauber. Zum Beispiel: Salzburg. Die Stadt begeistert uns nicht nur mit Glühwein und Bosna, sondern auch mit klugem Essen, handgemachtem Bier und moderner Kunst

Ein Reisebericht von Susanne Baade (Fotos) und Dirk Lehmann (Text)

Wir suchen Orientierung. Fast 100 Stände umfasst der Salzburger Christkindlmarkt zwischen Dom- und Residenzplatz. Eine große Karte zeigt deren Lage an. Wir sind verabredet bei Nummer… Plötzlich baut sich ein Japaner vor uns auf, ruft etwas, und nun umringen uns die Teilnehmer einer Reisegruppe. „Hai“, sagt der Reiseführer und beginnt zu erklären. Nur wenige für uns verständliche Worte blitzen heraus, der Führer sagt langsam: „Christkind“, „Weihnacht“, „Bosna“. Und die Teilnehmer der Reisegruppe sprechen andächtig nach „B o s n a h“.

Dann sagt der Mann etwas und zeigt auf uns. Er lächelt. Seine Landsleute sehen uns an. Und zücken ihre Kameras. Klick-Klack-Klacker-di-Klack. Einige hundert Fotos entstehen. Wir knipsen zurück. Lachen. Spaß. „Hai-hai“, sagt der Reiseführer und fährt in seinem Vortrag fort. Wir stürzen uns ins Getümmel.

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Im Getümmel des Christkindlmarkts: Japaner, Feuerzangenbowle und Käse-Snacks

Mehr als eine Million Besucher aus aller Welt erwartet Salzburg zum Christkindlmarkt. Offenbar sind alle heute gekommen, am 3. Advent. Wir schieben und knuffen uns durch die Menge, werden geschoben und geknufft. Doch die Stimmung ist freundlich. Bald haben wir zwei Becher mit Punsch und Glühwein in der Hand, dann gibt es für Susanne beim „Speck Willi“ eine Semmel mit gebackenem Käse und für mich aus „Sabines Hexenkessel“ ein Bosna. Das ist eine Art Salzburger Hot Dog, ein Brötchen, zwei Bratwürsterl, Zwiebeln, Senf. Uff, schmeckt schon speziell… Ich kratze die Zwiebeln ab, dann geht es.

Die Tradition des Salzburger Christkindlmarktes, so heißt es, reiche bis ins 15. Jahrhundert. Doch so ganz kann man das nicht stehen lassen. Früher dienten Weihnachtsmärkte vor allem dazu, sich für die Feiertage mit Lebensmitteln zu bevorraten. Irgendwann wurde auch der Verkauf von Handwerksartikeln und Geschenken erlaubt. Der Christkindlmarkt wie wir ihn heute kennen, ist – wie die meisten Weihnachtsmärkte im deutschsprachigen Raum – eine Erfindung des 20. Jahrhunderts.

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Weihnachten für Hunde-Freunde: goldige Deko als Baum-Schmuck

Als „Geldmaschinen im Advent“ bezeichnet ein Journalist in der Berliner Zeitung die Weihnachtsmärkte. Rund 1450, so der Deutsche Schaustellerbund, baue man jährlich zwischen Flensburg und Garmisch auf, 2012 wurden 85 Millionen Besuche (70 Prozent mehr als im Jahr 2000!) gezählt und Umsätze in Höhe von mindestens 2,5 Milliarden Euro. Viele Schausteller machen fast 30 Prozent ihres Jahresgeschäfts in den vier Adventswochen. Und die touristischen Anbieter – Hotels, Gastronomie, Transportunternehmen – verdienen mit. So hat die Stadt Nürnberg etwa 200.000 Übernachtungen monatlich, fast 400.000 sind während des Christkindlmarktes.

Im Vergleich zur Großshow in Nürnberg ist der Namensvetter in Salzburg klein und charmant. Das liegt auch daran, dass die Stadt so kompakt ist. Ganz leicht lässt es sich aus dem dicksten Gedränge fliehen. Wir passieren die goldene Kugel am Kapitelplatz – die Plastik von Stephan Balkenhol zählt zu den 12 Kunstwerken auf dem „Walk of Modern Art“ – und erreichen den kleinen Christkindlmarkt im Kai-Viertel.

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Moderne Kunst vor der Festung, ein Stroh-Mann im Kai-Viertel, und eine engagierte Mützenmacherin verkauft Fischbrote

Nach dem großen am Dom und dem eher edlen Weihnachtsmarkt auf dem Mirabellplatz ist dieser der dritte, den wir am ersten Tag erleben. Es ist der modern-traditionelle, mit Märchenerzähler, Strohpuppen-Nikolaus und Broten mit Fischaufstrich. Und er passt hierher, man könnte das Kai-Viertel salopp als den Prenzlauer Berg Salzburgs bezeichnen. Er steht für das, was wir hier vor allem erleben: eine zeitgenössische Großstadt, lebensfroh, überraschend, unkonventionell.

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Generationenvertrag: Die historische „Villa Auersperg“ ist ein modern-schickes Hotel

Einen Vorgeschmack davon bekamen wir bereits kurz nach unserer Ankunft im schicken „Hotel Auersperg“. Wir warfen unsere Klamotten in den begehbaren Kleiderschrank, bretzelten uns auf und sprangen in ein Taxi zum Flughafen. Nicht um wieder abzuhauen, sondern weil man im „Hangar-7“ das „Smart Food“ von Koch Roland Trettl serviert. Wir hatten uns einen Tisch reserviert in der „Mayday Bar“, von der aus man einen schönen Blick hat auf die Welt des Hochgeschwindigkeits-Milliardärs Dietrich Mateschitz. Eine Ausstellung zeigt Rennwagen und Flugzeuge, Motorräder und Raumkapseln mit Red-Bull-Logo. So gestrig die Exponate wirken mit ihrem Schneller-Höher-Weiter, so modern ist das kulinarische Konzept. Man wählt zwischen „Brain-„, „Mood-“ und „Beauty-Food“. Ich esse für mein Gehirn, Susanne isst für die Seele.

Auf den Tisch kommen die eher kleinen Portionen lauwarm in doppelwandigen Gläsern. Es gibt Garnelen Teriyaki mit Spitzkraut und Koriander, Rehsugo mit geräuchertem Kürbis, Rosenkohl und Haselnüssen, geeisten Kamillentee mit Gurke und Sanddorn. Und auch wenn es uns erstaunt, dass es kein vegetarisches intelligentes Menü gibt, das Essen schmeckt interessant und inspirierend.

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Salzburgs Glamour, zufälligerweise beide mit Primzahl: Mood-Food im „Hangar-7“ und die Artistentruppe „Seven Fingers“

Tolle vegetarische Küche bekommen wir an unserem zweiten Tag. Doch erst besuchen wir die Brauerei Gusswerk. Was 2007 als typische Micro-Brewery in einem typischen Start-Up-Haus begonnen hat, ist inzwischen ein vielfach ausgezeichnetes Unternehmen und Europas einzige Brauerei mit Demeter-Zertifizierung.

Wir treffen Inhaber und Braumeister Reinhold Barta. Der Mann, der sich selbst als „Biofundi“ bezeichnet, hat inzwischen eine große Vielfalt an Bieren kreiert – Hanfbier und Steinbier, Ale und Stout, Starkbier und Weißbier. Und dass er mit letzterem einen der wichtigsten Bier-Preise gewann, freut ihn besonders. Denn er hat vor allem bayrische Biere nass gemacht. Jetzt stehen wir bei einem Mini-Humpen „Black Betty“ beieinander. Reinhold fachsimpelt, er vergleiche Bier gern mit Frauen. Auch da gibt es die Supermodels, die sind schön, makellos, aber langweilig. Er aber liebe echte Frauen. Und ein gutes Bier sei wie eine echte Frau.

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Wir testen einige der Gusswerk-Biere und sind ganz hin und weg von der Geschmacksvielfalt. Reinhold meint, dass man Biere wie Wein genießen könne. Ein modernes Bier sei viel zu schade, um einfach bloß gesoffen zu werden. Wir nippen an der dunklen Schönheit „Black Betty“ und genießen die mild-perlende Würze.

Hätten wir mehr davon getrunken, würden wir im Bierkonsum wohl die Ursache suchen dafür, dass Salzburg immer nebliger wird. Doch der wahre Grund ist die Inversionslage. So etwas gebe es oft, heißt es im Restaurant „Green Garden“, in dem wir es uns gerade an einem Tisch bequem machen. Der Nebel hänge über dem Talkessel, wird an windstillen Tagen nicht aufgelöst. An solchen genießt man es umso mehr an Orten wie diesem zu sein: ein kleines helles Lokal, neun Tische, drei Inhaber, einer kocht, einer kellnert, eine führt die Geschäfte. Seit wenigen Wochen verzaubert der grüne Garten mit veganer und vegetarischer Küche.

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Männer mit Überzeugung: Das Team der Brauerei Gusswerk bietet viel Geschmack

Mensch, essen wir hier lecker. Auberginen-Tatar mit Pinienkernen und Tomaten, Zucchini-Schnitten mit scharfem Risotto, Tortellini in Orangenbutter, Berliner mit Mango-Pürree. Am liebsten wären wir nach unserem leichten Mittagsmenü aufgestanden, um standing ovations zu geben. Wer mehr über das Lokal von David Schröck, Julia und Christian Glatzer lesen will, findet den Bericht in Kürze auf Susies Local Food Hamburg.

Wir fahren mit der Seilbahn hinauf zur Festung, die über der Stadt thront und nur noch schemenhaft im Nebel zu erkennen ist. Ein Wanderweg führt von der Burg zum Museum der Moderne, das einen Querschnitt der Arbeiten des Ahrensburger Pimmel-Fantasten Jonathan Meese zeigt und einige der spannenden Kollagen der jungen österreichischen Künstlerin Tanja Boukal. Ihre verblüffend politischen Installationen befassen sich mit Flüchtlingen und Frauenbildern, Widerstand und Vergangenheit.

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Großer Genuss in kleinem Rahmen: Das Restaurant „The Green Garden“ überrascht mit toller vegetarischer Küche. Das Museum der Moderne lädt zum Denken ein

Es tut gut, all dies in so kurzer Zeit in einer Stadt entdecken zu können. Große Widersprüche auf kleinem Raum. Anregungen, Denkanstöße. Wir lehnen an der Balustrade vor dem Museum. Unter uns glitzert goldgelb die Stadt im Nebel. Wir sehen den Christkindlmarkt mit seinem Ersatz-Weihnachtsbaum – der erste fiel Sturm Xaver zum Opfer –, wir erkennen die Getreidegasse mit ihren Geschäften und Mozart’s Geburtshaus (eine interessante, leider recht teure Ausstellung macht vertraut mit dem Leben des Wunderkindes), wir beobachten das Treiben auf dem hell erleuchteten Makartsteg, auf der anderen Seite der Salzach gleitet lautlos ein O-Bus durch den Verkehr in Richtung Mirabellplatz.

Irgendwo da hinten muss das Zelt sein, in dem uns heute Abend die kanadische Artisten-Truppe „Seven Fingers“ begeistern wird. Ihre Zirkus-Kunst hebt sich ab von allem, was wir bisher gesehen haben. Auch das passt perfekt zu Salzburg. Auf gehts.

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Goldstück an der Salzach: Der bei Liebespaaren beliebte Makartsteg hält die Stadt zusammen

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Feuerwerk_pushresetHinweis: Die Recherchereisen für diesen Blog werden zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien, Reedereien und/oder PR- bzw. Tourismus-Agenturen. Unsere journalistische Freiheit bleibt davon unangetastet. Wir danken Salzburg Info.

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