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Double Room with a view. Hotel Louis C. Jacob, Hamburg – hanseatische Lebensart und große Pötte

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Ein Hotel, perfekt für Paare und für Schiffen-hinterher-Träumer: das „Louis C. Jacob“ in Hamburg

Ein Reisebericht von Susanne Baade und Dirk Lehmann

„Papa, Papa, ein Riesenschiff!“, ruft das Mädchen und zeigt aufgeregt auf die Elbe, „da, ein Riesenschiff!“ Und weil keiner aus der bei Kaffee, Kuchen und Champagner sitzenden Familiengesellschaft in weißen Kleidern und schwarzen Anzügen so recht reagiert, wiederholt das Kind noch einmal völlig fasziniert: „Ein Riesenschiff. Schau mal. Ein Riesenschiff! Das ist ganz groß…“ In dieser Szene, die wir auf der Terrasse des Louis C. Jacob erleben, steckt ganz viel von dem Zauber, den dieses Hotel ausmacht, das hoch über dem glitzernden Fluss thront und besondere Lebensart verbindet mit grandioser Aussicht.

Das Louis C. liegt in Nienstedten, einem der noblen Hamburger Elbvororte. Wir fahren auf unserer alten Vespa durch einen herrlichen Spätsommertag, es geht einige Elbhänge hinauf und hinunter, vorbei an Parks und Villen und vorbei an Villen mit Gärten so groß wie Parks. Der Zweitaktmotor knattert energisch am letzten Anstieg. Bis wir hinter der langen Luxuslimousine des Hotels parken, mit der viele Gäste abgeholt werden. Tatsächlich kommt jemand aus dem Haus, lächelnd, und bietet uns an, beim Gepäck zu helfen.

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Minz und Donner: selbstgemachte Limonade und eine Kanone zur Begrüßung der „Queen Mary 2“

Es ist nicht das erste Mal, dass wir in unserer Stadt in ein Hotel gehen. Doch es fühlt sich immer schräg an, die Tasche zu packen, darüber zu grübeln, was man wohl braucht. Und man ertappt sich beim Gedanken, ist doch nicht schlimm, falls was fehlen sollte, fährt man halt noch mal nach Hause. Die Hotelübernachtung in der eigenen Stadt ist ein verblüffender Kurzurlaub. Selbst wenn man nicht lange unterwegs ist, macht man mitunter eine weite Reise. Wir wohnen in einem Teil der Hamburger Altstadt, der Neustadt heißt. Einst lebten hier vor allem die Arbeiter des nahen Hafens, und es ist noch immer kein reicher Stadtteil. In den Elbvororten wohnen die Reeder.

Das Louis C. Jacob verbirgt sich in einem weißen Villen-Ensemble. Von außen sieht man nicht sofort, dass es sich um ein Hotel handelt. Und auch seine wundervolle Lage bleibt dem Betrachter anfangs verborgen. Ein Landschaftsgärtner aus Paris hat 1791 im damals noch zu Dänemark gehörenden Altona die Schönheit dieses Ortes erkannt. 1996 wurden die Häuser, inzwischen im Besitz des Unternehmers Horst Rahes, nach umfangreicher Renovierung wieder eröffnet. Heute präsentiert sich das Hotel klassisch, gediegen, ohne aber verstaubt oder gar piefig-peinlich-protzig zu sein. An den Wänden hängen Bilder aus der Kunstsammlung Rahes, darunter einige Werke Max Liebermanns, der mehrere Monate in diesem Hotel gewohnt hat und hier gaaaanz lange an seiner „Terrasse im Restaurant Jacob“ gearbeitet hat. Es gilt als eines der besonders schönen Werke des deutschen Impressionismus. Und Liebermann scheint jede Minute hier genossen haben.

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Doppelzimmer mit Aussicht: Vom Erker geht der Blick über den Fluss, dazu gibt es ein Leih-Fernglas

Unser Zimmer befindet sich in der ersten Etage. Ein lichtdurchströmter Raum mit hell tapezierten Wänden und poliertem Holzboden, mit einem großen Marmorbad und einem ebenso großen Bett. Das bodentiefe Fenster verfügt über eine Art Erker, in dem ein Tisch und zwei Stühle stehen, die Sitzecke schwebt quasi über dem schimmernden Fluss. Und selbstverständlich greift man nach dem großen Fernglas, neben der Orchidee, wenn ein Schiff kommt. Man schaut und staunt und ist spätestens jetzt diesem hanseatischsten aller Hamburger Hotels verfallen.

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Lebensart im Louis C.: Im Eiskeller lagert Wein, neben dem Kachelofen stehen Bücher, und es gibt viel Kunst. Das Team arbeitet mit Hingabe hinter der selbst für Hanseaten dezenten Fassade

Eine Mitarbeiterin zeigt uns das Haus, führt uns in den einstigen Eiskeller, einem aus Tonziegeln gemauerten Gewölbe, in dem heute die Weine lagern, rund 15.000 Flaschen, darunter einige, deren Etikett schon Gänsehaut machen, wie der Chateau Ausone aus dem Jahr 1964. Wir bekommen die mit antiken Möbeln eingerichtete Liebermann-Suite gezeigt, deren Übernachtungspreis wir sofort wieder vergessen. Wir gehen durch die unterirdisch gelegelene Wellness-Abteilung, in das Bistro-Restaurant „Kleines Jacob“ und ins vielfach ausgezeichnete „Jacobs Restaurant“.

30 Leute arbeiten im Team vom Chef de Cuisine Thomas Martin. Wir hätten seine Küche gern genossen. Doch leider sind für heute bereits alle Tische reserviert. Und wir werden am Abend im Bistro mehr als entschädigt. Jetzt sitzen wir draußen auf der Terrasse. Das Sonnenlicht flirrt durch die Blätter der alten Linden, wir genießen ein Glas hausgemachter Limonade. Den Sommer. Den Blick. Diesen Moment. Und da kommt es – das „Riesenschiff“.

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Offen für neue Genüsse: moderne Bistro-Küche im Restaurant „Kleines Jacob“

Was uns gefällt

Sie sagt: Ich hatte  Vorbehalte gegenüber diesem 5-Sterne-Hotel an der Elbe. Ich befürchtete, vor allem von Polo-Hemd-mit-aufgestelltem-Kragen-Snobs umgeben zu sein, die nur angeben und posen. Aber die Entspanntheit, die sehr weiche und freundliche Atmosphäre in dem Haus hat mich berührt und beruhigt. Übrigens im wahrsten Sinne des Wortes: In dem Bett habe ich so gut geschlafen wie schon lange nicht mehr.

Er sagt: Ja, man muss sie ablegen, die Scheu vor solchen Orten. Man verpasst sonst etwas. Mich hat vor allem die Hingabe der Menschen hier beeindruckt. Der Barmann, der die Stuhlbeine und Tritte der Hocker geputzt hat. Der Koch, der morgens selbst das Frühstücksbuffet kontrollierte. Und die Kellner im „Kleinen Jacob“, die es wirklich freute, dass wir ihre Pellkartoffeln aus der Tüte so lecker fanden.

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Konventionen unerwünscht: Pellkartoffeln in der Tüte und Wein-Etiketten auf Fliesen

Hotel Louis C. Jacob, Elbchaussee 401-403, 22609 Hamburg, Tel. 040-82255405, www.hotel-jacob.de

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