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Hobbitland oder Mordor? Für einen Presse-Trip nach Neuseeland sollen Reise-Blogger einen Vertrag unterschreiben, der es in sich hat

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„Entdecker gesucht“ lautet die Überschrift der Ausschreibung. Und weiter: „Blogge dir deinen Weg durch Neuseeland!“ Tourism New Zealand sucht „fünf engagierte Reise-Blogger“, die vom 29. September bis zum 5. Oktober durch das Land reisen. „Das Abenteuer wird nach deinen Wünschen umgesetzt.“ Man kann Gletscher bezwingen, wie Bilbo durchs Auenland schlendern, hippe Designer treffen und die Weite des Landes spüren, während man auf einem der Cycle Trails über die Südinsel radelt.

Selbst wenn man Bilbo für genau so langweilig halten sollte wie Designer, die vor allem eins sind, nämlich hipp – das Projekt klingt verheißungsvoll, und das Land ist ein Traumziel. Viele Reise-Blogger bewerben sich. Sie müssen ein Formular ausfüllen, einen Link zu ihrem Blog hinzufügen. Und eine gute Begründung finden, warum man einer der Gewinner sein sollte. Erfahrungsgemäß werden nur wenige auf den Link „Teilnahmebedingungen“ klicken. Doch die haben es in sich.

Die Einladung folgt einem bekannten Muster: Destination fordert Blogger auf, sich für eine Reise zu bewerben. Man muss die Mediadaten angeben und eine kurze Bewerbung formulieren. Eine Jury, deren Zusammensetzung und Kompetenz nicht kommuniziert wird, entscheidet über die Teilnehmer.

Erfahrene Blogger wissen, wer viele unique user hat (mehr als 10.000) und einen ordentlichen Social-Media-Footprint, geht mit besseren Chancen ins Rennen als ein kleiner Blog wie push:reset. Wer sehr viele User hat (mehr als 15.000), wird sich an so einer Nummer gar nicht erst beteiligen, sondern kommt auch ohne „Gewinnspiel“ nach Neuseeland. Und doch: Wir drücken allen Teilnehmern die Daumen.

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Grundsätzlich hegen wir gegenüber solchen Deals gemischte Gefühle. Hier wird der Blogger nicht als Partner gesehen, der eine Leistung liefert, die man schätzt. Hier tut man so, als wäre die Reise, über die täglich publiziert werden soll, eine Art Urlaub. Dabei kriegt man den Trip ja nicht geschenkt wie ein drittklassiger TV-Promi, nur weil die PR-Agentur hofft, dass ein Klatschmagazin darüber berichtet, wo das Starlet die Moppen in die Sonne hält. Im Gegensatz zu ihr arbeitet der Blogger – und erreicht mit seinen Texten, Bildern und Filmen eine sehr reiseaffine Leserschaft.

Die Ausschreibung hat Tourism New Zealand einer weltweit agierenden Medien-Agentur übergeben: Populis. Der Konzern wurde 2004 in Italien gegründet, hat seinen Firmensitz inzwischen in Irland und betreibt – laut Eigendarstellung – mehr als 600 Web-Produkte, um „qualitativ hochwertigen Content für ein mitreißendes und mehrsprachiges Publikum zu produzieren“. Es werden Texte für diverse Länder produziert, Produktests initiiert und Links verkauft. Populis verfügt über ein weltweites Blog-Imperium, in Deutschland hat man vor einigen Monaten blog.de gekauft.

Das war mal ein Pendant zu WordPress oder Tumblr. Inzwischen klagen manche langjährige blog.de-Blogger über lange Lade-Zeiten bei den Beiträgen und über schlechten Support. Auch von einigen Mitarbeitern erhält Populis eher zwiespältige Bewertungen, im Portal Kununu heißt es unter der Überschrift „Finger weg“, das Unternehmen wolle einfach nur „Kohle machen, ohne eine Strategie oder irgendeinen Plan“.

Entdeckergesucht_Populis_pushresetMan mag das für das typische Gemaule halten, unter dem Technologie-Konzerne von 1&1 bis Telekom zu leiden haben. Doch die „Teilnahmebedingungen“, die Populis als Basis formuliert für die Ausschreibung „Entdecker gesucht – Tourism New Zealand ermöglicht dir deinen Traumurlaub“ machen skeptisch. Hier einige Auszüge:

„Mit seiner Teilnahme verpflichtet sich jeder Blogger (…) mindestens einmal täglich mit Texten und etwaigen selbst hergestellten Fotos oder Videos auf seinem Blog und in seinen sonstigen Social Media Kanälen über seine Reise zu berichten.“

„Indem ein Teilnehmer seine Bewerbung an Tourism New Zealand versendet, räumt er Tourism New Zealand (…) das Recht ein, die Blogtexte, Fotos und Videos, die er während der Reise über die Reise erstellt, kostenlos weltweit und für die Dauer von zwölf Monaten seit Reiseantritt in Online- und Offlinemedien zu Zwecken der Promotion für Tourism New Zealand zu nutzen, zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich zugänglich zu machen.“

„Eingeschlossen ist das Recht, Blogtexte, Fotos und Videos für die sachgerechte Präsentation zu bearbeiten und Dritten Nutzungsrechte einzuräumen.“

„Mit der Rechteeinräumung an seinen Blogtexten, Fotos und Videos (…) erklärt ein Teilnehmer, dass diese Beiträge frei von Rechten Dritter sind, dass die Beiträge also von ihm selbst stammen und etwaige auf den Fotos oder Videos erkennbare Personen oder die Rechtsinhaber von etwaigen auf den Fotos oder Videos erkennbaren urheberrechtlich geschützten Werken (z.B. der bildenden Kunst oder der Musik) ihre Einwilligung zur oben genannten Nutzung erteilt haben. Der Teilnehmer stellt Tourism New Zealand von allen Ansprüchen Dritter frei, die aufgrund der von ihm eingereichten Beiträge geltend gemacht werden.“

Wir halten also fest: Die Autoren treten ihr Werk ab, es darf umgeschrieben und manipuliert werden, es darf damit geworben und in anderen Ländern damit Geld verdient werden.

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Was ist von diesen Klauseln zu halten? Der Deutsche Journalisten-Verband antwortet kurz und knapp: „Solche Bedingungen sollte kein Journalist akzeptieren.“ Aber Blogger arbeiten unter anderen Voraussetzungen als Redakteure. Was müssen sie beachten? Wir wenden uns an den Juristen Dennis Tölle, der sich mit seiner Website Recht-am-Bild auf das Urheberrecht spezialisiert hat.

Tölle entwarnt. Der Vertrag sehe nur eine Nutzung „zur Promotion“ vor. Es müsse davon ausgegangen werden, „dass ein Verkauf von der Nutzungserlaubnis nicht umfasst ist.“ Sollte es doch dazu kommen, könne der Blogger nachverhandeln. Auch was die Bearbeitung der Texte und Bilder betrifft, reagiert Tölle gelassen: „Lizenzverträge müssen so günstig wie möglich für den Urheber ausgelegt werden, man kann davon ausgehen, dass keine umfassende Veränderung der Werke zulässig ist.“ Macht sich der Blogger strafbar, wenn er seine eigenen Bilder und Texte mit anderen teilt, schließlich tritt er die Rechte daran „kostenlos weltweit und für die Dauer von zwölf Monaten“ ab? Nein, die Rechte werden nicht „exklusiv“ abgetreten.

Allerdings, so Tölle, solle bei Fotos nur „mit der Einwilligung der abgelichteten Personen gearbeitet werden“. Erst recht, da eine „Freistellung“ vorausgesetzt werde. Leicht kann es zu einem solchen Fall kommen: Der Blogger fotografiert eine Person ohne deren Kenntnis. Das Bild wird in einer Broschüre veröffentlicht. Der Fotografierte sieht sich und verlangt – aus welchen Gründen auch immer –, dass die entsprechenden Aufnahmen gelöscht werden. Da eine Freistellung vorliegt, landet der Streit nicht bei Tourism New Zealand sondern beim Blogger. Deshalb: Keine Inhalte weiter geben, bei denen die Rechte Dritter nicht geklärt sind.

Was ein Vertrag! Der Blogger erhält zwar Hin- und Rück-Flug, Hotel und Mietwagen für acht Tage, und ihm wird die Reise ausgearbeitet. Aber für alle anderen Kosten kommt er selbst auf, Essen, Benzin, Trinkgelder, selbst für die Online-Verbindungen um unterwegs zu posten. Auch Kranken- und Unfallversicherung muss jeder selbst zahlen. Bei genauerer Analyse entpuppt sich der Vertrag mit der Überschrift „Tourism New Zealand ermöglicht dir deinen Traumurlaub“ als eine Art Arbeitsvertrag. Mit der Besonderheit, dass man keine Spesen abrechnen kann, dass kein Honorar vorgesehen ist, und dass man an der Vermarktung der selbst erstellten Inhalte nicht mitverdient. Längst haben einige Blogger mehr Leser als manches Reisemagazin. Würde ein seriöser Verlag je so einen Vertrag unterschreiben?

Aber vielleicht sind auch all die oben beschriebenen Bedenken unbegründet, vielleicht wird der Vertrag gar nicht so eng ausgelegt, vielleicht will Populis aus den Beiträgen keinen „hochwertigen Content“ für ein „mehrsprachiges Publikum“ erstellen, und ist es nicht nachvollziehbar – wie zwei Leser kommentieren –, dass sich Tourism New Zealand absichert für die Nutzung der Bilder, etwa auf der eigenen Website, bei Facebook und Instagram? Es ist also überhaupt nicht gesagt, dass diese „Traumreise“ nach Hobbitland in Mordor endet.

Und doch sollten die Teilnehmer an diesem Gewinnspiel wissen, was in den Teilnahmebedingungen steht. Wir empfehlen, auch den weiteren Vertrag, der schließlich zwischen Tourism New Zealand und den Bloggern abgeschlossen werden soll, genau zu studieren und gegebenenfalls nachzufragen. Und dann: Viel Spaß in Neuseeland. Auch wenn an der Ausschreibung manches verbesserungswürdig scheint: Es ist ein tolles Land!

Bewerben konnte man sich bis Montagabend, 22. Juli, 17.30 Uhr.

(aktualisierte Fassung)

  1. Wow, heftige Bedingungen. Und nein, kein Verlag würde sich jemals darauf einlassen. Ich finde, dass auch kein Blogger sich darauf einlassen sollte. Eigentlich. Auf der anderen Seite wird es mit Sicherheit helfen, den eigenen Bekanntheitsgrad zu steigern, auch wenn alle Rechte am Material abgetreten werden, auch wenn es sich finanziell nicht lohnt. Immerhin ist Hobbit-Land gerade eines DER Reisethemen überhaupt. Man muss eben wissen, wie viel einem die zusätzlichen Klicks wert sind.

    Habt ihr euch beworben? Dann drücke ich die Daumen 🙂

    22. Juli 2013
    • Liebe Anemina,
      danke für deinen Kommentar. Ja, wir sehen es ähnlich: Einerseits sollte man so einen Vertrag nicht unterzeichnen. Andererseits ist Neuseeland sexy. Alle, die mitmachen, sollten allerdings genau wissen, worauf sie sich einlassen.

      Daumen drücken ist übrigens nicht nötig. Wir haben uns nicht beworben. Dafür reisen wir in ein anderes Land mit N, das ebenfalls verblüffend sexy ist: in die Niederlande!
      Herzliche Grüße
      Susanne&Dirk

      22. Juli 2013
  2. Mit 2500 Unique Visitors per Monat und der Zielgruppe „Menschen im besten Alter“, werde ich kaum in die Verlegenheit kommen, mich entscheiden zu müssen.
    Ausserdem habe ich mich ja auch nicht beworben.
    Dennoch, die Bedingungen sind, sagen wir mal, nicht bloggerfreundlich.
    Die zusätzlichen Klicks werden sich in Grenzen halten und vorübergehend sein.

    22. Juli 2013
  3. Lieber Udo Weisner,
    sind Menschen im besten Alter nicht die Zielgruppe der Zukunft? Wer will denn die x-te Geschichte über einen Bungy in Queenstown lesen? Wer die nächste Schilderung, wie es sich im Sechsbettzimmer eines Hostels schläft? Genau: niemand. Aber Genuss und Lebensart in Neuseeland sind Entdeckungen wert, etwa der würzig-frische Pinot Noir aus Nelson, die verblüffend großartige Regionalküche im Restaurant Hippopotamus oder das ausgesucht schöne Hotel Debrett. Hach, man müsste eigentlich noch einmal hin…
    Herzliche Grüße
    Susanne&Dirk

    22. Juli 2013
    • joigele #

      Ja, genau so sehe ich das auch.
      Aber ich könnte wetten, es werden ausschließlich junge Blogger ausgesucht, die dann das x-te Mal über ………. usw. 🙂
      Grüße vom Bodensee
      Udo

      22. Juli 2013
  4. Ich finde, dass auch kein Blogger sich darauf einlassen sollte, Finger weg von solchen Vereinbarungen! Die Autoren treten ihre Werke ab, es darf umgeschrieben werden, es darf damit geworben und in anderen Ländern damit Geld verdient werden und der Blogger bleibt auf der Strecke. Unter solchen Voraussetzungen werden wir Blogger von unserer Arbeit nie Leben können. Ich nenne es mal ganz salopp „kapitalistische Sklaverei“.

    22. Juli 2013
    • Liebe Daniela,
      danke für diesen saftigen Kommentar! Ja, das Thema „Geld verdienen“ ist ein weites Feld. Der mediale Wandel macht sich ja bereits für Blogger bemerkbar… Finanziell profitieren die alten Holz-Medien aber noch mehr als wir. Das wird sich ändern müssen.
      Und es wird sich ändern.
      Herzliche Grüße
      Susanne&Dirk

      22. Juli 2013
  5. Die zwei Seiten einer Medaille. #

    Hm. Aber wie soll eine Destination am anderen Ende der Welt, ohne jegliche Ahnung von der deutschen Bloglandschaft, denn sonst einschätzen welchen Impact sie mit einer Bloggerreise erreichen kann? Wenn sich nur Blogger bewerben, welche z.B. 57 Fans auf Facebook haben – wozu dann allein schon einen Flug für weit über 1000€ zahlen? Ganz zu schweigen von den restlichen Kosten. Am Ende arbeitet die – in diesem beispielhaften Fall – europäische Destination noch mit EU-Fördergeldern, da muss alles öffentlich dargelegt werden. So auch der Kosten-Nutzen-Faktor einer Presse- bzw. Bloggerreise. Natürlich sind Zahlen wichtig, genauso wie Auflagenzahlen im Print oder Reichweiten im Hörfunk usw. Die Mischung macht’s halt. Unique visitors + Zielgruppe/Leserschaft + Themenmix entscheiden über Zu- oder Absage. Ganz einfach. Und da hat nicht zwangsläufig der Blogger mit den meisten unique visitors die Nase vorn. Genauso wenig wie die BILD als auflagenstärkste Tageszeitung für jede Destination die perfekte Publikationsfläche ist. Bei einigen weiteren Punkten stimme ich ebenfalls nicht ganz zu: Stichwort Bildrechte, wo sich TNZ nur absichern will. Oder die Tatsache, dass TNZ Bilder für Promozwecke haben will – na klar – das braucht man rechtlich gesehen eigentlich schon allein für ein Regram auf Instagram oder wenn die Bilder der Blogger in einem automatisch generierten Feed auf der Homepage von bsplsw. TNZ erscheinen! Ich bin fast überrascht, das man in dem Atemzug nicht auch gleich noch die Rechte für eine kommerzielle Auswertung inkludiert hat… Was ich natürlich nicht korrekt finden würde, aber auch das gibt es zu Hauf da draußen.

    Eine Frage brennt mir aber bei all diesen und ähnlichen Blog-Einträgen immer wieder unter den Fingernägeln: Wer zur Hölle hat jemals behauptet, dass Journalisten ein Honorar für Pressereisen bekommen? Niemand tut das. Abgesehen von einem meist minimalen Abdruckhonorar bei Freelancern, welche Artikel im nachhinein bei div. Magazinen und Zeitungen (oder eben Radio, Online etc) anbieten. Warum also wird dieses Recht immer wieder von Bloggern (egal ob mit 57 oder 15.000 Followern/unique visitors) eingefordert?

    Blogger sind wichtig. Nicht nur für den passenden PR-Mix einer Destination. Und: (professionelle) Blogger sind nicht besser oder schlechter als klassische Journalisten. Deswegen zahlen wir ihnen auch Benzinkosten oder die Mahlzeiten. Aber der Trend zum „sich ungerecht behandelt fühlen“, weil eine Destination nicht für das Wässerchen am Flughafen oder die Trinkgelder (WTF!?!) aufkommt oder vielleicht mal auf der eigenen Facebookseite rechtlich ohne Bedenken einen Artikel oder ein Bild von eurer gesponserten Reise posten will – damit macht ihr euch keine Freunde…

    Viele Destination sind ja ganz offensichtlich noch immer unsicher im Umgang mit Bloggern. Helft ihnen doch statt dessen darin besser zu werden? Auch in eurem eigenen Interesse. Schickt eine freundliche eMail an TNZ, weist auf eure Bedenken hin und erreicht somit vielleicht, dass TNZ bei der nächsten Budgetvergabe eine andere, versiertere, PR Agentur wählt.

    Ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg und vor allem viele passende, wirtschaftlich vertretbare Presse- bzw. Bloggerreisen. Für alle beiteiligten Parteien.

    22. Juli 2013
    • Liebe Unbekannte, lieber Unbekannter,
      danke für den ausführlichen, sehr anregenden Kommentar. Wir wollen nur auf zwei Aspekte eingehen:

      Wie findet man den passenden Blog? Die Destination bedient sich selbstverständlich einer Agentur, die in diesem Fall mit einem Blog-Vermarkter zusammenarbeitet, um sich über die Bloggerszene zu informieren. Aber warum ein „Gewinnspiel“?

      Woher kommt das Geld? Selbstverständlich erhält kein Journalist ein Honorar von einer Destination. Indirekt allerdings schon. Viele Titelgeschichten, Supplements, Hotelportraits etc. in Magazinen und Zeitungen werden nur veröffentlicht, weil es ein Anzeigengeschäft gibt. Die klassischen Medien, auch deren Online-Kanäle, verfügen über ein Geschäftsmodell, das den Bloggern noch fehlt. Und dass man sich auf dem Weg dahin fragt, was es zu bedeuten hat, wenn man die Rechte an der eigenen Arbeit für ein Jahr abtreten muss, ist das nicht legitim?

      Wir sehen uns gar nicht so sehr als Jammerlappen, die sich ständig ungerecht behandelt fühlen (zumindest nicht mehr als andere). Aber wir thematisieren die Begleiterscheinungen des medialen Wandels. Offen, ehrlich, fragend, nach einer Lösung suchend, jeder darf sich dazu äußern, selbst ohne den eigenen Namen zu nennen. In Verlagen regeln Männer in Anzügen all das geschäftliche. Wir Blogger machen diesen Job selbst.

      Sollten wir uns dabei im Ton vergriffen oder gar Freunde vergrätzt haben, ändern wir gern die entsprechende Textstelle. Denn das war nicht unsere Absicht. Das Thema angegangen zu sein, ist aber wichtig.
      Herzliche Grüße
      Susanne&Dirk

      22. Juli 2013
  6. Phew, ziemlich heftig. Grundsätzlich finde ich die Nutzung natürlich ok, vor allem, wenn sie begrenzt ist. Die Weitergabe an Dritte ist dann schon wieder etwas anderes, für Tourism New Zealand zwar logisch, um Grauzonen zu vermeiden, für den Blogger aber sehr unüberischtlich, welche Ausmaße das annimmt. Außerdem stellt sich da die Frage, wie der Blogger hinter den „Dritten“ herrennen will, wenn diese das Material auch nach Ablauf der 12 Monate weiterverwenden. Gar nicht widerum ginge für mich – obwohl leider gängige Praxis – das Abwandeln des Contents. Ich reagiere schon empfindlich, wenn jemand Sätze aus einem Interview streicht, geschweige denn umstellt.
    Den absoluten Knaller finde ich, dass für die vielen Nebenkosten nicht aufgekommen wird. Nix für mich.

    22. Juli 2013
    • Liebe Inka,
      danke für den Kommentar, der einige interessante Aspekte anschneidet. Selbstverständlich ist eine begrenzte Nutzung der Inhalte okay, manchmal sogar wünschenswert. Es ist auch nachvollziehbar, dass sich Tourism New Zealand bei den Bildrechten absichert. Und, klar, einer solchen Reise muss ein Vertrag zu Grunde liegen.

      Auch im Print-Journalismus werden in den Verträgen die Nutzungsrechte immer mehr ausgeweitet. Wer für ein G+J-Magazin arbeitet, willigt ein, dass Fotos bzw. Texte auch online, in der App-Version und bei Facebook veröffentlicht werden. Auch für die Publikation in einer anderen Zeitschrift derselben Markenfamilie erhält man kein zusätzliches Honorar.

      Allerdings: Der Blogger handelt ja nicht im Auftrag von Tourism New Zealand. Hier geht es um eine Kooperation. Neuseeland verspricht sich PR, der Blogger liefert Texte und Reichweite. Warum bietet man dem Blogger nicht an, dass er an möglichen Einnahmen beteiligt wird? Das wäre für das Arbeitsklima bestimmt förderlich…
      Herzliche Grüße
      Susanne&Dirk

      22. Juli 2013
    • Vanessa - pureGLAM.tv #

      Hallo Inka,

      ich kann dir dabei nur 100% zustimmen, gerade die Veränderung von Texten und Interviews ist ein absolutes No-go und sofortiges Ausschlusskriterium…

      Viele Grüße

      Vanessa

      23. Juli 2013
  7. Über diese Ausschreibung bin ich auch gestolpert. Vor allem bei den Reiseleistungen (Mietwagen bezahlt – Benzin nicht, Unterkunft & Frühstück bezahlt – restliches Essen komplett nicht, Telefonkosten & Onlinezugang – komplett nicht bezahlt) habe ich mich wirklich gefragt, was das eigentlich soll. Da legt der Blogger unterm Strich einfach nur drauf, und noch nicht einmal wenig. Und da er ja von unterwegs und im Nachhinein auch noch ordentlich etwas liefern – sprich arbeiten – soll, ist das Ganze auch nicht wirklich als teilgesponserter Urlaub zu sehen.
    Letztlich wird die Konsequenz aus dieser Aktion wohl sein: wirklich interessante Blogger werden sich hierauf nicht bewerben. Bleiben nur Blogs mit geringer Reichweite, die an sich für Tourism New Zealand uninteressant sind und wo Aufwand und Kosten für Tourism New Zealand letztlich (trotz dieser Teilnahmebedingungen…) nicht im Verhältnis stehen. Sehr schade drum.

    23. Juli 2013
    • Vanessa - pureGLAM.tv #

      Hallo Kristine,

      kann dir in allen Punkten nur zustimmen und es wird wirklich so kommen, die größeren Blogs haben abgelehnt – die kleineren bringen dann leider für die Touristiker nicht die erhofften Momente… Ich sehe wieder, wir sind uns schon wieder einig…

      Viele Grüße aus München

      23. Juli 2013
    • Liebe Kristine,
      danke für deinen Kommentar. Die Ausschreibung will beides sein Gewinnspiel und Kooperationsangebot – und ist keines von beidem richtig. Klar, Neuseeland ist ein tolles Reiseziel. Die Möglichkeiten, die einem TNZ bietet im Rahmen dieser Reise bietet, erlauben eine vielfältige Recherche, man kann ein Thema entwickeln und richtig weiter verfolgen. Eigentlich alles großartig. Wäre da nicht dieser Vertrag…

      Wir haben Populis angeschrieben, nach der Intention gefragt (vielleicht ist es ja ein Vertrag, den TNZ international verwendet und nur übersetzen ließ). Und wir haben sie gebeten, uns eine Kopie des Vertrages zu schicken, der abschließend zwischen Blogger und Destination geschlossen wird. Noch haben wir keine Antwort.
      Herzliche Grüße
      Susanne&Dirk

      23. Juli 2013
      • Bin schon gespannt auf die Antworten.
        Danke, dass ihr beide euch in diese Geschichten so reinhängt, um Hintergründe zu liefern!
        LG, Kristine

        23. Juli 2013
  8. puretraveltv #

    Wir können Euch und vor allem auch Kristine und Inka nur zustimmen, wir haben das Angebot am „Gewinnspiel“ auch vor einiger Zeit erhalten und sind dann über die Bedingungen gestossen. Es geht hier wirklich nicht um die eine Flasche Wasser, einmal das Abendessen oder auch den einen oder anderen Extrakilometer mit dem Leihwagen.

    Es sollte wirklich für beide Seiten ein guter Ertrag rauskommen, aber so eine 7-Tage-Tour ist keine „Vergnügungsreise“ wie es häufig gesehen wird – gerade wenn auch vorgegeben wird – täglich zu schreiben und etwas von Neuseeland zu sehen.

    Mit unseren drei Blogs hätten wir die Leserzahlen gehabt, stimmen aber auch Kristine und Euch zu, dass man solche Angebote ablehnt, auch wenn es eine tolle Destination gewesen wäre, aber auch wie Ihr sagt, die Kontakte kommen dann häufiger nicht über die PR Agentur, sondern über den Verband dann direkt und man kann über seine Bedenken offen sprechen und eine für beide Seiten gemeinsame und gute Lösung finden.

    Bisher können wir sagen, dass man sicherlich über die Nutzung der Bilder auch unentgeltlich immer wieder reden kann, aber die Frage ist – ob man vorab schon nahezu sämtliche Rechte an den Bildern abtreten sollte, gerade wenn diese auch noch weiter abgetreten werden sollen.

    Wie Kristine und Inka es aber auch sehen, Rechte noch an weitere Abtreten, Änderungen der Texte (und damit des persönlichen Eindrucks), etc. – sind ein absolutes „No-go“

    Für uns wäre Neuseeland sicherlich eine interessante Destination gewesen, aber eben nicht mit so einer PR-Vorgabe und diesen Teilnahmebedingungen…

    Fazit: Stimmen Kristine zu, die großen Blogs werden sagen „Nein danke“ und später ein individuelles Programm machen, die kleineren Blogs, die noch nicht die Reichweite haben, werden nicht den erhofften Ertrag für Aufwand und Kosten leisten können und so entsteht leider für alle Seiten keine – Win-Win-Situation…

    P.S.: Schön, dass dieses Angebot einmal offen angesprochen wurde und von verschiedenen Seiten beleuchtet wurde.

    23. Juli 2013
    • Liebe Vanessa,
      ja, es ist ein spannendes Reiseziel. Und auch die Reisebedingungen – dass einem Profis vor Ort das selbst geplante Programm ausarbeiten – sind klasse. Aber der Vertrag steht in einem seltsamen Kontrast zur intensiven Arbeit, die man vor Ort zu leisten hat, und die von TNZ bzw. Populis auch erwartet wird. Weil es immer wieder solche Aktionen gibt und geben wird, wollten wir ansprechen, dass hier etwas nicht stimmt.

      Danke jedenfalls für den Zuspruch. Solche Themen sind nicht leicht (und auch nicht sexy).
      Herzliche Grüße
      Susanne&Dirk

      23. Juli 2013
  9. Das Lesen der Kommentare ist genauso aufschlußreich wie der interessante Artikel. Danke dafür!
    Ich denke, dass das ein möglicher Lösungsansatz sein kann, solche Bedenken bezüglich Verträgen direkt anzusprechen. Wenn das zahlreiche Blogger machen, ändert sich vielleicht etwas.
    Ich hatte das vor Jahren mal bei einem ähnlichen Gewinnspiel über eine Weltreise gemacht und der Passus, der mich störte wurde abgeändert – und ich hatte mich nicht mal für die Reise beworben!
    Wir haben übrigens noch nie irgendeine Unterstützung eines Tourismusbüros bekommen – ob es daran liegt, dass wir mit der Familie reisen? Schade!
    liebe Grüße
    Gabi

    23. Juli 2013
    • Liebe Gabi,
      danke für deinen Kommentar. Wie bereits geschrieben, mit Populis haben wir Kontakt aufgenommen, aber noch keine Rückmeldung.

      Was die Unterstützung betrifft. Nein, es liegt sicher nicht daran, dass ihr als Familie reist. Im Gegenteil, manches Reiseziel positioniert sich ja geradezu als Familien-Destination. Ihr müsst mit dem Fremdenverkehrsamt oder der für das Marketing verantwortlichen Agentur eures nächsten Reiseziels Kontakt aufnehmen, und dann prüfen die, ob eine Zusammenarbeit passt, bzw. Sinn macht.

      Wir wünschen viel Erfolg.
      Herzliche Grüße
      Susanne&Dirk

      23. Juli 2013
  10. Die Kiwis können es sich leisten, solche Bedingungen zu stellen. Da wollen ja (fast) alle hin und auf eigene faust sind Reisen ans andere Welt sehr teuer….

    23. Juli 2013
  11. Hallo Robert,
    danke für die Einschätzung. Ja, das stimmt, viele wollen da hin. Und die Destination leistet sich einiges: Wer im selben Zeitraum auf eigene Faust nach Neuseeland reisen wollte, müsste rund 1400 Euro für den Flug zahlen, 130 Euro für den Mietwagen (Preis für 6 Tage) und 400 Euro für Übernachtungen in Apartments und Hostels. Neuseeland investiert rund 10.000 Euro an reinen Reiseleistungen (nicht eingerechnet sind Rabatte und Sonderkonditionen) in die fünf Blogger. Dazu kommen noch die Kosten für die ausschreibende Agentur.
    Herzliche Grüße
    Susanne&Dirk

    24. Juli 2013
  12. gabireichert #

    Hi Susanne und Dirk,

    eine Seite Werbung für das Land in einem Magazin oder eine Tageszeitung kostet mehr als 10 000 Euro. Und da ist fraglich, ob das Zielpublikum erreicht wird. Ich denke, da können 5 Blogger wahrscheinlich mehr für das Marketing erreichen, oder?
    Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Blogs eine lange Zeit im Internet stehen werden!
    liebe Grüße
    Gabi

    24. Juli 2013
    • Liebe Gabi,
      danke für den Vergleich. Wir haben mal bei der IVW und in den Media-Kits verschiedener Printprodukte recherchiert. Demnach verlangt ein Reisemagazin, das pro Ausgabe etwa 12.000 Abonnenten hat und im Einzelverkauf etwa 3000 Exemplare absetzt etwa 12.000 Euro pro Anzeigenseite. In der Regel gehen davon Rabatte ab, allerdings kommt die Mehrwertsteuer hinzu. Und auch die Kosten für den Inhalt der Anzeige oder gar die Kampagne sind darin noch nicht enthalten.
      Herzliche Grüße
      Susanne&Dirk

      24. Juli 2013
  13. dc #

    Ganz klar, Blogmarketing hat weniger Streuverluste als das Old School Printmarketing. Ein schöner Nebeneffekt der Aktion ist natürlich auch die Kontroverse darüber, welche beweist, dass Marketing funktioniert. Allerdings scheint die ausschreibung der Bloggerreise tatsächlich an den Befindlichkeiten der Zielgruppe vorbeizugehen, und auch die Budgetfrage macht keinen sehr professionellen Eindruck, was für NZL sicher kein gewünschter, negativer Effekt sein darf.

    24. Juli 2013
  14. Und wer sich als Blogger für das Reiseziel NZ interessiert, hat auch dank des NZ Explorer Programms die Möglichkeit von Rabatten bis zu kostenlosen Angeboten zu profitieren, oder mit lokalen Anbietern & Verbänden zusammen zu arbeiten.
    Die Teilnahmebedingungen fand ich persönlich auch „hart“, und ob es wirklich so interessant ist wenn Profis vor Ort die Route ausarbeiten? Um dann nach einem anstrengenden Tag on the road noch einen Blogbeitrag & co. zu verfassen? Der ist bekanntlich auch nicht in fünf Minuten geschrieben.

    7. August 2013
  15. Wie sich jetzt zeigt, haben sich offensichtlich gestandene und erfolgreiche Lifestyleblogs für diese Kampagne beworben. Vielleicht sind die Reiseblogger in Deutschland einfach zu anspruchsvoll? Ich kenne 2 Blogs von denen etwas besser und weiß, dass das hauptberufliche Blogger sind. Warum lassen die sich auf so einen Vertrag ein? Der Destination kann das doch egal sein und hat somit alles richtig gemacht 😉

    25. September 2013

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