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Falsche Preise: Probleme mit Googles Hotel Finder

Hotel_Finder_pushreset Diese Suchmaschine hat unser Leben verändert: Google weiß mehr über uns, als manchen lieb ist. Google kennt unseren Wohnort. Google zeigt uns den Weg zu unserem Reiseziel. Google liefert uns Fotos und Filme dazu. Und jetzt will uns Google auch das Hotelzimmer vermakeln – seit kurzem steht der Google Hotel Finder auch in deutscher Sprache zur Verfügung. Damit bringt der Krake, wie die in alle Lebensbereiche hineintentakelnde Suchmaschine auch genannt wird, ihren 2011 in den USA gestarteten Dienst zu uns. Wir haben ihn getestet.

Optisch ist die Suchmaschine eine puristische Wohltat: eine weiße Seite mit einem Eingabefeld für den Ort, darunter fünf Vorschläge von Berlin bis Bangkok. Hat man gewählt, wo man übernachten will, legt man in einem smarten pull-down-Menü die Reisedaten fest. Enter. Das Fenster mit den Suchergebnissen öffnet sich. Es ähnelt Google Maps, in der linken Spalte die Namen der Hotels, einige mit Minibild (viele ohne), dazu eine Preisangabe mit einer knappen Bewertung. Wird der Preis klassisch in Schwarz auf Weiß angezeigt, handelt es sich offenbar um den Standardpreis, ein roter Preis ist höher als der Standard, ein grüner Preis niedriger. Die Abweichung wird um eine Prozentangabe ergänzt. Blöd nur, dass die Preise nicht stimmen. Aber dazu später mehr.

Rechts neben der Hotelliste mit den Preisen zeigt Google in einer Karte die Lage der Häuser. Das ist gut gemacht, man geht mit dem Mauszeiger auf einen Hotelnamen, prompt wird der Ort in der Karte hervorgehoben. Zudem kann man in einer „custom area“ suchen. Man zieht ein Feld auf, und der Hotel Finder zeigt einem nur die Häuser in diesem Gebiet. Das ist eine gute Option für die Hotelsuche in einer Großstadt. Wer etwa weiß, dass er in Berlin keinesfalls in Mitte wohnen will sondern lieber im alten Westen, kann ganz leicht die Region eingrenzen. Und schon zeigt einem das Programm die Hotels nahe der Roten Insel in Schöneberg an. So weit, so gut.

Doch nach welchen Kriterien suchen viele Reisende vor allem ein Hotel? Genau, nach dem Preis. Und damit gibt es bei Googles Hotel Finder einige Probleme. 1. Google macht überhaupt nicht klar, was das für ein Preis ist, der da angezeigt wird. Für Einzel- oder Doppelzimmer? Ist eine Stornierung oder Umbuchung möglich? Man erfährt nicht einmal, ob das Frühstück im Preis enthalten ist. Google nennt einfach den vermeintlich niedrigsten Preis. Und damit sind wir bei Problem Nummer 2: Die Preise stimmen oft nicht. Wir haben mehrere Versuche gemacht. Wir interessierten uns für das Le Royal Meridien in Hamburg, Google behauptete, der Preis sei mit 106 Euro pro Nacht für den angefragten Zeitraum 31 Prozent geringer als normal. Doch dann verlangt Booking, zu dem der Hotel Finder schließlich für die Buchung linkt, 114 Euro. Ohne Frühstück. Das Grand Elysee soll nur 119 Euro kosten pro Nacht, die Buchungsmaschinen rufen dann aber mindestens 128 Euro auf.

Uff. Einzelfälle? Nein. Für Schloss Teschow gibt Google einen Preis von 122 Euro an, angeblich 40 Prozent über dem Normalpreis. Doch dann verlangt Booking, mit dem wir auch in diesem Fall wieder verbunden werden „nur“ 110 Euro. Ohne Frühstück. Und für den Riehmers Hofgarten in Berlin ruft das Google Portal 130 Euro auf. Zur Buchung werden wir zu HRS geschickt, da kostet die Nacht dann 128 Euro, bei Booking sogar nur 105 Euro. Was Googles Hotel Finder offenbar nicht gewusst hat, obwohl uns der Dienst die Option sogar angeboten hat. Der Krake tappst blind durch die Hotelwelt. Dass das technische Ursachen hat, wissen nur Touristikexperten.

Wir haben noch weitere Preisvergleiche gemacht. Ja, es gibt viele Fälle, in denen Google auch richtig liegt. Aber die Fehlerquote ist hoch. Zudem werden die Angaben von Google noch dadurch verfälscht, dass der Hotel Finder einfach Preise vergleicht, die sehr unterschiedlich sind, mal ist das Frühstück enthalten, mal nicht. Jetzt ist es zum Glück ja nicht so, dass man über Google bucht und Geld verliert, die Suchmaschine leitet einen weiter zu Anbietern wie booking, hrs, expedia etc. Doch man den Angaben von Google nicht trauen. Und so lange der Hotel Finder nicht dazu in der Lage ist, die korrekten Preise anzugeben, taugt das Tool eigentlich nur als hübsch gemachte Anzeige für die Lage der Hotels. Das ist dann aber doch etwas wenig…

  1. thx : auch meine meinung, dass es da noch viel nachzubessern gibt – und was dazu nervt ist diese totale steuerung der serps : http://www.touristiker.at/google-hotelfinder-update-marz-2013/

    14. März 2013
    • Lieber Stephan Waltl,
      danke für den Kommentar. Und noch mehr Dank für den interessanten Beitrag. Den SEO-Aspekt haben wir für unseren Blog nicht thematisiert. Aufgefallen ist uns aber auch, dass manche Hotels markiert sind – in Hamburg etwa das East –, ohne dass dem User klar gemacht wird, dass es sich um eine Anzeige, bzw. um ein wohl gekauftes Ranking handelt. Auch nicht okay.
      Gruß
      Susanne & Dirk

      15. März 2013
  2. noname #

    Schon mal was von Cache gehört? Zig Hotelseiten zeigen keine „Livepreise“ an, vorallem Meta Sucher. Das ist also nicht nur eine Google Thematik. Klar, aus Kundensicht ist das ganze nicht optimal, aber Google will mit Klicks Geld verdienen 😉

    15. März 2013
    • Yes, Sir. Und wir haben das in einem aktuellen Beitrag zum Thema noch einmal aufbereitet. Wichtig aber finden wir den letzten Satz des Kommentars: „Aus Kundensicht ist das nicht optimal.“ Nee. Ist es nicht. Dass Google Geld verdienen will, kritisiert niemand (manchmal ist man nur ein wenig neidisch, wie gut sie das hinkriegen). Kritisieren darf man aber, dass es keine Informationen gibt, wie die Preise zustande kommen, was sie enthalten. Und dass es sich bei einigen nur um Näherungswerte handelt.
      Herzliche Grüße
      Susanne & Dirk

      15. März 2013

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  1. Langsamer Krake: Probleme mit Googles Hotel Finder | push:reset

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