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Ein Mann und sein Korb

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Wir treffen ihn Monjo. Wie viele Sherpa trägt er eine bunte Mütze, mehrere Hemden und Jacken übereinander, eine weite Hose und viel zu große Turnschuhe. Es scheint ein unausgesprochenes Gesetz unter den Sherpa und Portern im Himalaya zu sein, im Kontrast zu den top ausgestatteten Trekkern, die – wie wir! – mit teuren Hightech-Wanderstiefeln von Lukla nach Namche Bazaar wandern, in einfachen Sneakern oder gar Flip-Flops über den so genannten „Himalaya-Highway“ zu wandern. Unsere Aufmerksamkeit erzielt Pal, so der Name des Mannes, aber nicht mit seiner Kleidung. Sondern durch die seltsame Kiepe, die er lässig über seiner Schulter trägt, und über seine ungewöhnliche Art zu gehen. Ständig bückt er sich, hebt etwas auf, wirft es in den Korb. Pal ist Müllsammler. Ein wahrlich verblüffender Anblick in diesem Land, in Nepal ist Müll allgegenwärtig, es gibt keinen Straßenrand ohne Müll, keine Dorf, keine Stadt, wir haben Kühe gesehen, die mitten in Kathmandu an Müllhalden grasen, über ihnen kreisen ganze Schwärme großer Greifvögel. Müll ist Alltag, niemand scheint sich daran zu stören.

Im Himalaya ist das anders. Mehr als 30.000 Trekking-Urlauber wanderten im Jahr 2010 auf dem Weg, der von Lukla zum Mount Everest-Basecamp durch den Sagarmatha–Nationalpark führt. Bei so vielen Besuchern fällt einiges an Müll an. Und doch liegt kaum Unrat am Wegesrand. Die Sherpa setzen sich für ihr Land ein. Umweltschutz wird an den Schulen in der Khumbu-Region gelehrt. Am „Himalaya Highway“ errichtet man allerorten Abfall-Behälter. Und Männer wie Pal sammeln auf, was dennoch abfällt. Wir blicken in seinen Korb: Einiges an typischem Outdoor-Müll findet sich darin, die Papiere von Energieriegeln, Bananenschalen, Getränkedosen, ein paar Plastikflaschen (obwohl deren Verkauf im Khumbu verboten ist) und ganz viele der typischen Goldfolien, die wir in den nächsten Tagen auf dem Boden glitzern sehen. Es sind die Verpackungen des indischen Kautabaks, den die Porter im Himalaya so gern zerbeißen, und dessen Saft sie ständig in die Landschaft rotzen. Es ist noch ein weiter Weg, den wir alle zu gehen haben.

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