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Brenda und das kläffende Dutzend

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Die Grand Dame von South Park trägt eine helle Jogginghose, und ihr lila Motiv-T-Shirt zeigt drei naiv gemalte Hündchen mit Schleifen im Fell, ein Kleidungsstück, das man wohl eher bei Mädchen im Kindergarten erwarten würde. Aber Brenda hat vor kurzem ihren 63. Geburtstag gefeiert und gilt auf dem South Park Campground in der nordkanadischen Kleinstadt Prince George unbestritten als Autorität. Wir fragen den Fahrer des Wohnmobils auf der Parzelle neben uns, ob er uns sagen könne, mit welchem der drei Peilstäbe, die aus dem Motorraum unseres Trucks ragen, der Ölstand zu messen wäre, und was es mit dem Ventil auf sich habe, das neben der Wasserleitung liege? Doch der zuckt nur die Schultern, sagt „Ask Brenda“ und schlurft zurück in die dunkle Höhle seines Campers.

Brenda, kurze struppige rot gefärbte Haare, runde Brille und raue Stimme, der man anhört, dass ihre Besitzerin gern raucht – und wie sich noch heraus stellen wird: auch gern Kommandos gibt –, weiß tatsächlich Antwort auf die Fragen. Sie zeigt den Ölmessstab, zerrt ihn heraus, er ist ungefähr 1,50 Meter lang, nur etwas kürzer als Brenda, befindet, es sei genug Öl im Motor, und erklärt uns dann, was es mit dem Ventil auf sich hat: Es reduziert den Druck aus der öffentlichen Wasserleitung, der sei viel zu stark für die dünnwandigen Schläuche im Wohnmobil. Brenda sieht uns mahnend an und sagt: „Die platzen.“ (Und weil wir das Ding anfangs nicht verwendet haben, suchen wir den Wagen nun ständig nach Pfützen ab.)

Wir kommen mit Brenda ins Gespräch. Sie und Greg, ihr Mann, leben in Anchorage, Alaska. Die beiden sind vor einigen Wochen aufgebrochen, um in Edmonton in Alberta an einer Hundeshow teilzunehmen. Weit mehr als 3500 Kilometer sind sie dafür unterwegs, eine ordentliche Strecke. Und sie haben diese Tour mit Hund gemacht? „Kommt mit“, sagt Brenda mit ihrer Reibeisenstimme. Wir begleiten sie einem etwa zehn Meter langen, doppelachsigen Wohnwagen, vor dem ein großer Pick-Up steht, daneben ein mobiler Hundezwinger. Brenda klopft an die Tür. Ein gemütlich aussehender Kerl in weiten Hosen und Plastiksandalen erscheint. Greg. Was sie wolle, fragt er unverhohlen schlecht gelaunt. Brenda schnauzt, sie möchte ihren Gästen die Hunde zeigen. Die Hunde?

Obwohl Greg lieber weiter fernsehen will, schlurft er brav in die Weiten des Wohnwagens und holt einen Hund hervor. Dann zwei weitere. Er verschwindet noch einmal und setzt noch ein paar Hunde in dem mobilen Zwinger aus, den seine Frau auf jedem Campground errichtet, den sie während ihrer mehrwöchigen Dog-Journey ansteuern. Noch einige Male geht der grummelnde Kerl hin und her, und schließlich springen und kläffen zwölf kleine Hunde durch das Freigehege. Gerade will sich Greg wieder hin setzen, da bellt ihn Brenda erneut an. „Die Urkunde! Bring doch mal die Urkunde.“ Schließlich steht er in der Tür und präsentiert mit sauertöpfischer Miene das Schriftstück. Brenda ist stolz. „Wir haben sogar einen Preis gewonnen. Den werden wir uns über den Kamin hängen.“

Sind die Hunde sauber? Brenda wiegt den Kopf hin und her. Eigentlich schon. Aber die Fahrt rege die Tiere auf und deshalb legen sie im Wohnwagen die Plane aus, die sonst unter dem Zwinger liegt. Und sobald einer ihrer Zwergspitze „poo“ macht, zupft Brenda ein Stück Klopapier von der strategisch perfekt angebrachten Rolle und wischt hinterher. Wofür ist die Wasserspritzpistole? Für die Erziehung. Dreht eines der Tiere zu sehr durch, wird das Hündchen angesprüht. Und sie sprüht einen der kleinen Kläffer an, der zuckt zusammen zieht sich sofort zurück.

Später sitzen wir in der Abendsonne und essen unsere obligatorischen Nudeln mit Tomatensauce. Wir sprechen über unsere Begegnung mit Brenda, und dass Frauen wie sie die eigentlichen Pioniere dieser Region sind. Sie müssen sich durchsetzen und behaupten. Plötzlich hören wir lautes und vielstimmiges Kläffen. Dann ein heiseres Brüllen. Ruhe. Brenda hat ihre Hunde genau so im Griff wie ihren Mann. Ob sie ihn auch mit der Wasserpistole anspritzt, wenn er renitent ist?

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