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Australien: ein Hotel als Bühne, Nightlife in Newtown und unsere Lieblings-Restaurants und -Bars in Sydney

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Newtown, Sydney: ein einfacher Stadtteil und ein Klasse-Kerl – Christian vor seiner Bar „Midnight Special“

Ein Reisebericht von Susanne Baade und Dirk Lehmann

Wie er da so steht, erinnert er an den amerikanischen Komiker Jack Black – der füllige Leib steckt in einer kurzen, selbst abgeschnittenen Hose, die langen Locken umspielen ein Gesicht, aus dem der Schalk lächelt und dabei eine veritable Lücke zwischen den Schneidezähnen zur Schau stellt. Christian posiert für uns vor seiner Bar „The Midnight Special“ in einem Stadtteil Sydneys, den wohl nur wenige Touristen kennen: Newtown. Auf dem Weg aus der Innenstadt kommt man durch Viertel wie Haymarket und Ultimo, Chippendale und Redfern, es geht vorbei an der University of Sydney und an einer langen langen Straßenfront mit niedrigen Gebäuden voller Shops und Boutiquen, Cafés und Restaurants. Fast zehn Kilometer lang soll die Einkaufsmeile auf King Street und Enmore Road sein mit ungefähr 600 Geschäften.

Newtown war einst ein bürgerliches Städtchen, wurde Sydney eingemeindet und entwickelte sich zu einem Arbeiter-Stadtteil, der nach diversen Wirtschaftskrisen zum Problem-Kiez wurde. Seit etwa zehn bis 15 Jahren ist es cool, hier zu leben. Die Wohnungen sind bezahlbar. Und Christian erzählt, dass er seit Monaten nicht in der City war. Die findet er öde und teuer. „Braucht man nicht“, sagt er und lacht. Ein Lokal wie seines bräuchte man eigentlich auch nicht. Und doch ist es ein Riesenerfolg. Die Australier trinken vor allem in so genannten Sports-Bars (riesige Fernseher zeigen sich gegenseitig in den Dreck werfende Football-Spieler) oder in Pubs, die so oft so uninsipiriert eingerichtet sind, dass man hier nur eins kann – sich volllaufen lassen. Vor fünf Monaten hat The Midnight Special eröffnet und ist immer gut besucht. An den Wochenenden warten die Gäste in langer Schlange auf Einlass.

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Das passt zusammen: Bier, Theke und die sich langsam füllende Bar Midnight Special 

Eigentlich ist das Midnight Special eine Kneipe, wie es in Berlin Dutzende gibt. Über der Theke hängen rote Lampions, zwischen den Flaschen im Regal stehen Figuren, die an das mexikanische Totenfest erinnern, es ist schummrig, fast dunkel, ein Plattenspieler hobelt Rockmusik in den Raum. Der Name der Bar ist eine Hommage an eine amerikanische TV-Show, in der Musiker und Bands aus aller Welt auftraten. Christian serviert ein helles, fast grünliches Lager-Bier aus einer nahen Micro-Brewery und einen köstlichen, selbstentwickelten Cocktail mit Gin und Brandy, gewürzt mit Chili und Koriander, ein Stück Gurke schwimmt neben Eiswürfeln. Und er erzählt von einer Reise nach Deutschland. Wir haben viel Spaß miteinander.

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Schaufenster für Genießer: Im Restaurant Hartsyard wird Leberpastete mit Brot serviert

Nach dem sehr unterhaltsamen Aperitif gehen wir vorbei am Second-Hand-Laden „Used & Abused“, am Friseur mit dem skurril-deutschen Namen „Doppelgänger“ und am „Sydney Buddhist Centre“ ins Restaurant „Hartsyard“. Naomi Hart und Gregory Llewellyn bieten anspruchsvolle Küche für zwei Befindlichkeiten – seed and feed, für den kleinen und für den großen Hunger. Vor allem der Hunger auf Fleisch wird bedient, so kommt das vorzügliche, krosse Hähnchen mit einer Hackfleischsauce, zur Pastete aus Schweineleber gibt es Brot aus dem Wurstrauchfang, und die Würste aus Entenfleisch garniert eine kleine Portion Tartar. Das Essen ist eher eine bemerkenswerte Geschmacksreise als ein Genuss. Nicht alles würden wir noch einmal essen wollen. Doch nichts war banal oder ohne Twist serviert. Und so machen uns die Erfahrungen in Newtown neugierig auf andere Bars und Restaurants. Wir müssen mehr erleben.

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Das Hotelzimmer als Statement: Holzdielen, hohe Decken, eine rot beleuchtete Vitrine

Die letzten Nächte unseres Sabbaticals wohnen wir im abgefahrensten Hotel der Stadt. Das vor vier Monaten eröffnete QT belebt das frühere State Theatre neu. Das war einst Kino und Bühne im Central Business District  – und ist heute Quartier für Selbstdarsteller aus aller Welt. Denen helfen ein weiblicher und ein männlicher Portier, gekleidet im Stil der 20er Jahre, aus dem Wagen. In der Rezeption überrascht eine Koffer-Collage, im Zimmer gibt es viel modernes Hotel-Design: ein Bad ohne Türen, ein perfektes Bett mit einem schwarzen Schaffell drauf, Öko-Produkte in der Dusche, ein Fernseher mit Tag-Clouds, eine Nespresso-Maschine und die Zutaten für einen Cocktail. In Einrichtung und Wand-Deko kontrastieren frische, knallige Farben mit dunklen Tönen. Wer hier wohnt braucht ein starkes Ego, denn dieses Hotel ist das Gegenteil von dezent.

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QT-Details: Auf dem Bett liegt ein Schaffell, hinter der Wanne steht eine Giraffe, in der gelben Vitrinie spiegelt sich ein Hase, und die Kaffee-Maschine hilft in den Tag 

Uns gefällt das Zimmer in der fünften Etage, auch wenn der Blick am gegenüberliegenden Wolkenkratzer hängen bleibt, der mit seinen hohen Fenstern und seiner verspielten Fassade ebenso gut in Gotham City stehen könnte, untermalt vom ständigen Heulen der Sirenen. Und so endet unsere Auszeit in einer hyper-urbanen Fantasiewelt. Wir kommen uns vor, wie jemand, der sich nach seinem Sabbatical eigentlich in einem ruhigen Refugium mit solider Ratgeber-Literatur auf den Wiedereinstieg in den Alltag vorbereiten sollte – und statt dessen durch ein turbulentes Operetten-Theater stolpert, in dem man die Aufführung eines Marvel-Comics probt. Wir finden es einfach nur großartig, hier zu sein.

Restaurants

Wir nutzen die letzten Tage unserer Auszeit, Sydney zu genießen. Im Taumel der Festtage und in Vorbereitung von NYE, so wird die Party zum Jahreswechsel New Years Eve auf Fahnen und Plakaten angekündigt, bleiben wir ruhig und essen in einigen bemerkenswerten Restaurants. Dabei zeigt sich vor allem eins: Sydney orientiert sich längst nicht mehr an Good Old Europe sondern an der neuen Welt – an China und den anderen Staaten Asiens. Das schmeckt man.

Gowings
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Am Abend essen wir im „Gowings“, dem Restaurant im QT. Die Einrichtung ist cool, angeberisch, urban, fein, hochwertig. Die Kellnerinnen tragen tief dekolletierte und sehr kurze Kleider, das Licht ist so dunkel, dass man kaum die Speisekarte lesen kann. Was gut ist, denn man erkennt nicht sofort, wie wahnsinnig teuer Essen und Drinks sind. Aber das Essen ist auch wahnsinnig gut. Susanne hat gegrillten Lachs bestellt, ich die Ente mit glasierter Haut. Nur die Schoko-Creme Brulée hat mit viel zu hart gebrannter, sehr dicker Zuckerschicht nicht überzeugt.

Mr Wong

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Am nächsten Abend haben wir einen Tisch im Mr Wong reserviert. Das im September eröffnete Restaurant hat Platz für 240 Gäste, und jeder einzelne davon ist besetzt. Eine der Spezialitäten im Wong sind Dim Sum, gedünstete Teigtaschen. Auf dem Weg zum Unisex-Klo (das ist der absolute Schrei in der Stadt) sieht man die andere Spezialität: Ente. Um die 100 Tiere hänge küchenfertig in einem Raum, und ich ärgere mich schwarz, Nudeln mit Beef bestellt zu haben. Sehr gutes Essen in dem kolonial-üppig eingerichteten Restaurant.
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Café Q
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Das Café Q liegt am Strand von Bronte. Die Einrichtung ist eher so lala, doch die solide Küche ist deshalb so bemerkenswert, weil sie a) italienisch ist und b) wirklich recht günstig. Beim Mittagstisch kostet die „Pasta of the Day“ bloß zehn Dollar und ist für diesen Preis doppelt lecker. Dazu der unvergleichliche Blick über den kleinen Park auf Strand und Meer.

Bars
Die Erfahrungen in Newtown haben uns neugierig gemacht, und wir wollen nun auch im Central Business District ein paar coole Bars ausfindig machen. Doch nichts ist so flüchtig wie ein gutes Lokal. Und um uns nicht in jede Warteschlange einreihen zu müssen, machen wir eine geführte Sauf-Tour. Wir treffen Simon von Ketel One Bar Tours und lassen uns von ihm in vier Bars ausführen. Die erste Station ist das:

Grain
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Im Erdgeschoss des Four Seasons liegt diese coole, vor allem bei Business-Leuten beliebte Bar. Es wird Bier aus diversen Micro-Brewerys der Stadt ausgeschenkt, und die Cocktails werden von ausgebildeten Bar-Keepern zubereitet, besonders cremige oder aufwändige Drinks wie Pina Colada und Manhattan schmecken großartig. Guter Ort, um den Abend zu beginnen.

Palmer & Co
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In einem Kellergewölbe – unweit des Restaurants Mr. Wong –, hängen Fotos von Männern, die sich während der Prohibition des Alkoholschmuggels verdächtig gemacht haben. Unter hohen nackten Steinwänden werden ihnen zu Ehren wunderbare Cocktails gemixt, dazu kann man Snacks in der Brasserie bestellen, ein Jazz-Duo spielt ordentlich laut gegen jede Unterhaltung an. Sehr angesagter Club, spätestens ab 20 Uhr bildet sich eine lange Warteschlange.

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Felix Bistro

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Eine traditionelle Bar, die vor allem bei Champagner-Fans beliebt ist: Diverse Schaumwein-Spezialitäten und -Cocktails werden hier angeboten. Dazu kann man sich eine Portion Sydney-Austern bestellen. Der Kellner erklärt uns, welche Auster von welchem Teil der australischen Küste kommt, und wir schmecken tatsächlich leichte Unterschiede heraus. Eher ein gediegener Club.

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The Baxter inn 
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Es geht vorbei an einem Fahrrad-Händler in einen Hinterhof, da warten schon die ersten Gäste darauf, die steile Kellertreppe hinab zu steigen. Wieder ein Gewölbe, wieder offene Steinmauern, wieder eine Unisex-Toilette. Und doch gibt es eine Besonderheit: Das Baxter, ein ehemaliger Sport-Club, hat sich auf den Ausschank von Whiskey spezialisiert – diverse Distillerien, diverse Alter und diverse Preise von 14 bis 120 Dollar pro Glas. Simon gesteht, es sei seine Lieblingsbar, und er bestellt uns einen sehr rauchigen australischen Single Malt.

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Noch ein letztes Foto: Erinnerungen an das Nightlife in Sydney

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