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Australien: Bemerkenswerte Felsen auf Kangaroo Island, Regen in der Wüste und die schönsten Strände der Insel

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Wüste Insel: 70 Meter hoch sind die Sanddünen der „Little Sahara“, in der es gleich anfängt zu regnen

Ein Reisebericht von Susanne Baade und Dirk Lehmann

„It is a sign“, sagte Ron noch als wir uns voneinander verabschiedet hatten, und er wies zum Himmel, an dem sich sehr hohe, sehr langgezogene Wolken bildeten, der Wind frischte auf. „The change will come.“ Es klang fast unheilvoll. Vielleicht hatten wir es deshalb gar nicht so ernst genommen und sind deshalb umso überraschter als der Regen kam. Wir saßen auf einer Sanddüne inmitten der „Little Sahara“, bis zu 70 Meter hoch sind die goldgelben Buckel im Süden von Kangaroo Island. Als wir ankamen knallte noch die Sonne auf uns herab. Doch innerhalb von Minuten zog sich der Himmel zu. Und es begann zu regnen. In der Wüste.

In den letzten Tagen hat uns die Insel viel gegeben. Vor allem Hitze, einmal zeigte das Thermometer im Auto 38 Grad an. Und die Insel hat uns mit ihren Landschaften überrascht, mit Wäldern, die manchmal hoch und dicht sind wie Urwälder, manchmal niedrig und knorrig wie die sich gegen die Winde behaupten müssende Flora Schottlands. Wir haben die Remarkable Rocks besucht, markant erodierte Granitfelsen im Südwesten der Insel, von denen es unzählige Fotos gibt, so dass man fast denkt, es wäre unnötig da überhaupt noch hinzufahren, und dann ist man dennoch überrascht vom Charisma dieses Ortes, an dem Erdgeschichte sichtbar wird.

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Bei gutem Wetter kann man von hier die zwei kleineren, Kangaroo Island im Südwesten vorgelagerten Inseln erkennen. An den Casuarina Islets lässt sich erklären, warum die Aborigines Kangaroo Island verlassen haben: Weltenschöpfer Ngurunderi hatte sich über seine beiden Frauen geärgert und sie weggeschickt. Als er sah, dass sie sich trotzdem amüsierten, ließ er den Meeresspiegel ansteigen, die Frauen ertranken. Aus Wut über die eigene Unbeherrschtheit warf er später seine Lieblingswaffen ins Meer. Die Stellen, an denen die stecken blieben, sind die beiden Inseln. In den Mythen der Aborigines ist Kangaroo Island seither der Ort, von dem die Seelen abheben in die Ewigkeit, sie nennen es „Karta“ – Land der Toten.

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Manche Landschaftsformationen in Australien haben fast Kalauer-Namen: „Remarkable Rocks“ heißen diese bemerkenswerten Granitfelsen. Auf, unter und in ihnen macht man oft witzige Fotos. Wir auch

Wir sind fast 700 Kilometer über die Straßen und Schotterpisten der Insel gepoltert, über der sich der Himmel zu zog, immer wieder regnete es, die Temperatur sank bis auf 16 Grad. Und irgendwann machte es keinen Sinn mehr, im Kangaroo Island Wilderness Retreat zu wohnen. Das Hotel, durch das immer wieder ein neugieriges Wallaby hüpft, versteht sich als Ausgangsbasis für Touren in das nahe Naturschutzgebiet. Doch dafür ist das Wetter zu mies, wir beschließen, uns in den Norden zurück zu ziehen und buchen uns für die letzten beiden Nächte bei Paul ein.

Molly’s Run“ heißt das Bed and Breakfast mit Blick über die Smith Bay, und die Namensgeberin steht nun vor uns und bellt. Paul und seine Frau Charmaine haben das im mediterranen Stil umgebaute Haus nach ihrer Boxer-Hündin benannt, sie wacht über das Grundstück. Es ist ein wundervoll gelegenes Anwesen, umgeben von einer üppigen Lavendel-Hecke. Die Abendsonne ist rausgekommen. Paul hat ein paar Snacks vorbereitet, jetzt sitzen wir mit dem graubärtigen Kerl im Garten, trinken Weißwein, unterhalten uns. Wir erfahren, dass seine Frau in Adelaide arbeitet, dass die beiden drei Töchter haben, dass er früher als Taucher gearbeitet hat und mal mit einer Deutschen verheiratet war. Und ich befürchte, dass es kein rechtes Kompliment ist, als er zu mir sagt: „You remind me on her.“

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Lavendel, Zypressen, ein Haus im Toskana-Stil: das Bed and Breakfast „Mollys Run“

Ein sehr unterhaltsamer Abend endet mit dem Sonnenuntergang. Paul führt Susanne und mich in das große Haus. Wohnzimmer und Küche gehen ineinander über, ein Esstisch mit acht Stühlen steht in dem Raum, der mit wenigen Antiquitäten und persönlichen Fotos dekoriert ist. Wir schlafen im Balcony-Room im Obergeschoss und können vom Bett aus über das Meer blicken. Und auch wenn im bedeckten Himmel kaum Sterne auszumachen sind, tut allein der Weitblick gut.

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Mittelmeer-Momente im Norden von Kangaroo Island: Molly, die Boxerhündin, und Paul, der nicht nur selbst baut, sondern auch bäckt – sein Orangenkuchen ist eine Wucht

Wir nutzen die Tage, in denen sich mal die Sonne zeigt, mal ein schneller Regenschauer über das Land zieht, die schönsten Strände der Insel zu erkunden. Paul, dessen Frau auf Kangaroo Island geboren wurde, und dessen Schwiegervater einst als Hai-Jäger sein Geld verdiente, bis er durch Zementhandel zu einem reichen Mann wurde („und zu einem Arschloch“, wie Paul auf die ihm eigene, sehr direkte Weise sagt), hat uns viele Tipps gegeben. Danke! Und doch handelt es sich um eine sehr persönliche Auswahl.

Hanson Bay

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Eingerahmt von Felsen liegt diese rund 800 Meter lange Bucht, die auch für Kinder geeignet ist, weil sich die Wellen an einem vorgelagerten Riff brechen. Der Sandstrand ist sensationell. In der Nähe gibt es auch einige Ferienhäuser, für deren Bewohner die Bucht quasi als eine Art Privatstrand fungiert.

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West Bay
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Fast ein Kilometer tief schneidet der Sund in die Insel, umgeben von hohen Felsen läuft die Dünung auf den rund 400 Meter breiten Sandstrand zu, es gibt wohl keinen pittoreskeren Strand als diesen – und kaum einen einsameren. Nachteil: Weil er im Flinders Chase Nationalpark liegt, muss man quasi Eintritt zahlen, um hier zu baden. Oder man nimmt die Badesachen mit und beendet hier die Tour zu den Remarkable Rocks und den Seelöwen am Admirals Arch.

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Snelling Beach
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Schon die Anreise ist spektakulär, von Westen kommend fährt man einen steilen Hang hinab und sieht unter sich diesen wundervollen, in einer flachen Dünenlandschaft gelegenen Strand. Eine Kolonie von Kappenregenpfeifern nistet auf dem rund ein Kilometer langen Sandstreifen, der besonders windgeschützt ist.

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Western River Cove
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Es gibt einen kleinen Campground am Western River, eine Holzbrücke führt über den Fluss, ein Pfad zwischen Dünen und Felsen schließlich zu diesem großartig gelegenen Strand, eingefasst zwischen schroffen Hügeln. 500 Meter sandige Abgeschiedenheit.

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Stokes Bay

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Den populärsten Strand der Insel erreicht man durch ein enges Felsentor, man quetscht sich hindurch, anfangs nicht wissend, was einen erwartet und steht plötzlich vor einem rund ein Kilometer langen Strand, der zu recht so beliebt ist: Der von kristallklarem Wasser überspülte Sand von Stokes Bay dürfte jede „Die-schönsten-Strände-der-Welt“-Hitparade zieren.

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Emu Bay
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Eine langgezogene Bucht, auf der einen Seite begrenzt von einer kleinen Siedlung und einem Picknickplatz, auf der anderen von Klippen. Dazwischen etwa drei Kilometer feinster Sand. Es gibt eine kleine, recht furchtlose Kolonie von Pelikanen, und im Sommer hat man hier einen 16 Fuß langen Weißen Hai gesehen. Der Strand darf auch mit Autos (Achtung: nicht mit Mietwagen!) befahren werden.

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