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Kreuzfahrt in die Antarktis: zu Besuch bei Albatrossen und Rockhoppern

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Große Bühne für einen kleinen Kerl: Felsenpinguin auf New Island, einer Falkland Insel

Ein Reisebericht von Susanne Baade und Dirk Lehmann

Beim Abendessen gibt es nur ein Thema: Zu welcher Zodiac-Gruppe gehört ihr? Die erste Anlandungen dieser Seereise steht bevor. Auf New Island, einer der Falkland Inseln, werden wir Pinguine, Albatrosse und Blauaugenkormorane sehen. Doch spannender als die Tierwelt ist für die meisten Passagiere das Abenteuer Zodiac. Auf Deck 7, hinter dem Vier-mal-drei-Meter-Pool, der mit bis zu 32 Grad Wassertemperatur eigentlich eher eine großzügige Whirlwanne ist, liegen die Schlauchboote aufgestapelt. Schon ihre Namen, in weißen kantigen Buchstaben auf das schwarze Gummi gepinselt, machen klar, nicht sommerliche Spritztouren stehen auf dem Programm sondern den Horizont erweiternde Erkundungsfahrten – „Kamchatka“, „Alaska“, „Antarctica“.

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Kreuzfahrt mit einem Hauch von Abenteuer: An Deck 3 wird die Zodiac-Plattform montiert, die Schlauchboote kommen inklusive Fahrer zu Wasser und bringen die Passagiere an Land. Auf der Tafel steht, wann das letzte Boot zurück fährt

Und so fesseln bereits die Vorbereitungen: Wie erst der Pier auf Deck 3 eingerichtet wird. Dann lässt die Crew das Erkundungs-Boot ab. Der Expeditionsleiter bestimmt die Landestelle. Danach schwebt Boot für Boot – die Fahrer stehen an Bord – hinab auf die Wasseroberfläche. Schließlich werden die Gäste aufgerufen, sich auf Deck 3 einzufinden. Den Anfang macht Zodiac-Gruppe Blau, es gibt vier Gruppen mit je ungefähr 35 Passagieren. Im Treppenhaus drängeln sich die Passagiere, alle tragen die roten Anoraks und die schwarzen Gummistiefel, die zu Beginn der Reise ausgegeben wurden, und – wie es der Zufall will – haben sich fast alle schwarze Regenhosen mitgebracht. Erwartungsfroh und ein wenig ungeduldig wartet der rot-schwarze Expeditionstrupp auf den Marsch-Befehl.

Die Zodiacs, so würde man es im Business-Denglisch formulieren, sind ein Unique Selling Point der Bremen. Nur wenige Kreuzfahrtschiffe verfügen über solche Schlauchboote, mit denen die Gäste an nur schwer zugänglichen Orten an Land gehen können (selbstverständlich gibt es für jede Anlandung eine offizielle Genehmigung). Und viele Gäste, die schon eine Reise mit der Bremen oder ihrem Beinahe-Schwesterschiff „Hanseatic“ gemacht haben, sind geradezu süchtig danach, ins Schlauchboot zu steigen und zu den Pinguinen zu fahren.

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Ausschiffung zum Landgang: In den Zodiacs gehen die Kreuzfahrer auf Eroberung. Ihre Beute – volle Speicherkarten 

Man hatte uns eingewiesen, wie man im Zodiac mitfährt: Beim Einsteigen packen wir mit den Händen die Unterarme der Matrosen im so genannten Artistengriff und besteigen das Boot. Da setzen wir uns bitte sofort auf die Wulst und rutschen, den Po immer nur ein wenig anhebend, auf den uns zugewiesenen Platz. Aufstehen verboten! Bei der Überfahrt festhalten! An der Anlandungsstelle rutschen wir zum Ausstieg. Da setzt man sich, Blick zum Meer!, rittlings auf die Wulst und schwingt erst das eine, dann das andere Bein über das Boot, gegebenenfalls hilft ein Matrose per Artistengriff. Sofort an Land gehen!

Am Ort der Anlandung hält der Expeditionsleiter eine Tafel hoch mit der Abfahrtszeit für das letzte Zodiac der Gruppe zurück zum Schiff, jede Gruppe hat 90 Minuten an Land. Und wie man ausgestiegen ist, so steigt man später auch wieder ein, Beine über die Wulst, zum Sitzplatz hoppeln, festhalten, Aufstehen verboten!, und bei der Ankunft am Schiff auf die Finger achten, dass sie nicht zwischen Boot und Schiff einklemmen.

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Gelb-grün-blau: Dabei hat die erste Farbe auf den Falklands eigentlich nichts zu suchen, die Briten haben den Stechginster eingeführt. Die Bremen ist verantwortlich für die temporäre Einfuhr der Spezies der Rotjacken. Doch die sind harmlos und beobachten das meist friedliche Miteinander der Vögel auf New Island. Stress gibt es, wenn so ein großer tolpatschiger Albatros durch die Nester der Felsenpinguine und Blauaugenkormorane trampelt

Obwohl nicht alle Passagiere gleich fit sind, scheinen doch alle an Land zu sein. Die philippinischen Matrosen haben viel Erfahrung und packen beherzt zu, während sie die Gäste in die Boote hieven, rufen sie lächelnd Anweisungen, die sie auswendig gelernt haben: „Hände frei“, „Bitte hinsetzen“. Und dann brausen wir über das in der Sonne glitzernde Wasser auf die Insel zu. Gelber Stechginster leuchtet auf der grün überwucherten Felseninsel. Ein Wrack liegt in der Bucht, ein paar Wohnhäuser stehen mitten in der Einsamkeit. Wir folgen einem rund 1000 Meter langen Weg und stehen plötzlich auf der anderen Seite der Insel: ein Felskessel, eine Abbruchkante zum Meer, in mehreren Kolonien brüten mehrere tausend Vögel.

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Lebensraum für Spezialisten: Am steilen Fels nisten einige zigtausend Albatrosse, Blauaugenkormorane und Felsenpinguine. Für die Rockhopper ist der Weg ins Meer besonders beschwerlich – sie müssen laufen 

Anfangs befürchten wir, dass es ein zweifelhaftes Vergnügen sein wird, mit so vielen Rotjacken an einem Ort zu sein. Doch recht schnell sind die anderen vergessen. Wir beobachten einen Felsenpinguin auf dem Weg zu seinem Nest, plötzlich bleibt er stehen und schaut unter fransigen Augenbrauen zu uns hinauf. Wir sehen einen Albatros, dessen weißes Gefieder in der Sonne strahlt, fein gezeichnet ist das Make-up rund um die Augen. Erstaunlich friedlich geht es zu in diesem dicht gepackten Lebensraum, in dem ständig die Blauaugenkormorane auffliegen und landen, die Albatrosse ruhig auf ihren Höckernestern hocken und die Pinguine vorführen, warum sie im Englischen Rockhopper heißen: Sie hüpfen von Stein zu Stein hinunter zum Wasser. Wir genießen das Glück, einen Teil unseres Sabbaticals hier zu verbringen – Momente zu erleben wie diese, an einem Ort wie diesem.

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Der Punker unter den Pinguinen: Rockhopper haben rote Augen und gelbgefärbte Brauen

Die Zeit vergeht viel zu schnell. Schon hocken wir wieder auf der Wulst des Zodiacs, das Boot springt über die flachen Wellen, die Haare fliegen im Wind, und in den Gesichtern der anderen steht zu lesen, wie zufrieden sie die Erlebnisse der ersten Anlandung gemacht haben. Dabei sind die meisten hier genau so große Vogelexperten wie wir. Nämlich keine. Die nächste Anlandung wird uns zum Volunteer Beach bringen, mit seiner großen Königspinguin-Kolonie angeblich ein Highlight auf den Falklands. Zurück an Bord der Bremen, versuchen wir sofort herauszufinden, wann unsere Zodiac-Gruppe am nächsten Tag dran ist. Wir können es kaum erwarten, wieder auf Erkundungsfahrt zu gehen. Jetzt hat er uns also gepackt – der Zodiac-Virus.
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Großes Halo am Himmel: Der Lichtring entsteht, wenn sich in hohen Wolkenschichten Eiskristalle bilden und die Strahlen der Sonne darin brechen

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