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Nepal: Trekking im Himalaya – der Flug nach Lukla

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Festhalten für die Landung: Sturzflug auf den Flughafen von Lukla

Ein Reisebericht von Susanne Baade und Dirk Lehmann

Als einer der zehn gefährlichsten Flughäfen der Welt gilt der kleine Tenzing-Hillary-Airport von Lukla. Die Landebahn wurde Anfang der 1960er in den Fels gemeißelt und erst 2001 asphaltiert. Nur 457 Meter misst die Piste, die ein Gefälle von bis zu 12 Prozent aufweist. An der einen Seite bricht sie abrupt ab, am Fuße der 600 Meter tiefen Steilwand fließt der Dudh Kosi, der weiß schäumende Milchfluss. An der anderen Seite begrenzt der Berg, an den sich das auf 2850 Meter Höhe gelegene Lukla schmiegt, abrupt die Landebahn mit einer Wand. Die ist etwa acht Meter hoch. Ein Weg führt darüber hinweg, verbindet den Airport mit der Stadt. Ein Stacheldrahtzaun grenzt den Pfad vom Airport ab. Und durch die Maschen betrachten und fotografieren die Touristen, wie die Maschinen angesegelt kommen, voll bremsen und kurz vor ihren Füßen abbiegen in Richtung des Terminals. Nepal_Flughafen_Lukla_Start.jpg

Zaungäste an der Landebahn – die ist eine Rampe mit 12 Prozent Gefälle

Außer der extremen Piste erschweren die besonderen Bedingungen im Himalaya den Luftverkehr. Die Maschinen müssen zwischen bis zu 6000 Meter hohen Bergen navigieren. Starke Winde, Nebel und sehr schnell aufziehende Schlechtwetterzellen können den Flugbetrieb stark beeinträchtigen. So war der Airport im November letzten Jahres für mehr als eine Woche gesperrt, tausende Touristen saßen in Lukla fest. Sie mussten mit Mllitär-Helikoptern versorgt und evakuiert werden.

Nur besonders ausgebildete Piloten dürfen mit so genannten STOL-Flugzeugen (Short Take-Off and Landing) wie Twin Otter oder Do 228 den Airport ansteuern. Und dennoch kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Im Herbst 2008 stürzte eine Maschine beim Landeanflug ab, 18 Passagiere kamen ums Leben. Im Oktober 2010 prallte ein Flugzeug am Ende der Landebahn gegen den Fels, alle Insassen blieben unverletzt. Und Ende September diesen Jahres fiel eine Maschine auf dem Weg nach Lukla bereits kurz hinter Kathmandu vom Himmel. 19 Tote. Das ist nicht lange her…

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Flughafen Kathmandu: Hektik beim Securitycheck, Entspannung auf dem Vorfeld

Man schläft nicht gut, wenn man um das Risiko des Fluges weiß. Und wenn man dann das Chaos am Domestic Airport in Kathmandu erlebt, wundert man sich, dass nicht noch mehr Flugzeuge abstürzen. So wie die Nepalesen Auto fahren, so verhalten sie sich auch im Terminal – es wird gedrängelt, gerufen, geschoben, gestritten. Und die Sicherheitskontrollen sind so lasch, dass man alles mit an Bord bringen kann, was man mag.

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Vielleicht einer der schönsten Flüge der Welt: zum Greifen nah – der Himalaya

Doch dann ist es wie so oft in Nepal: Der Flug startet mit einer Pünktlichkeit, die man sich bei manch anderer Airline auch wünschen würde. Und obwohl die Twin Otter, in der wir sitzen, schon eine ziemlich betagte Gurke ist, funktioniert alles einwandfrei. Die Sonne scheint. Die Fernsicht ist großartig. Wir sind nur damit beschäftigt, aus dem Fenster zu schauen, zu fotografieren, zu filmen: Bergstraßen, Flusstäler, Schneegipfel. Zwei schlimme Momente gibt es während des Fluges: Die Überquerung eines Bergsattels, die ihn umgebenden Gipfel sind deutlich höher als unsere Maschine fliegt. Der andere: Als sich unsere Maschine auf die winzige, unter uns im Fels sich abzeichnende Landebahn stürzt.

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Das also ist sie. Von oben nicht größer als ein Badehandtuch. Vorne der Abhang. Hinten der Berg. Und erst als die Landebahn unerbittlich näher kommt, wird einem das Fatale dieser Situation bewusst – das Flugzeug kann nicht weiter vorn aufsetzen, nicht zu weit hinten. Es gibt kaum Spielraum. Der Pilot kann nicht durchstarten. Und ich erinnere mich auf den letzten Metern der Annäherung, wie mein Vater, ein ehemaliger Pilot, erzählte, dass all seine Versuche mit dem Flightsimulator heil in Lukla aufzusetzen, scheiterten. Doch unsere Piloten agieren so souverän, dass mein Vater staunen würde (aber wahrscheinlich würde er nie in so eine alte Kiste einsteigen). Die knallt jetzt hart auf den Boden. Die Bremsen greifen. Die Propeller heulen auf. Wir sind gelandet. Einfach so. Auf dem gefährlichsten Airport der Welt.

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„Namaste“, sagt die Stewardess zu jedem Passagier, der die Maschine verlässt. Und erst als ich unseren Rucksack vom Gepäckwägelchen hebe, sehe ich, was noch im Frachtraum der Maschine transportiert wurde: zwei Säcke Knoblauch. Soll gut sein gegen Höhenkrankheit. Willkommen im Himalaya.

Wir haben einen kleinen Film gedreht über unseren Flug von Kathmandu nach Lukla mit Tara-Air. Keine Katastrophen gibt es darin zu sehen. Aber die Schönheit der Berge. Und am Ende, ja auch das, kann man ihn doch spüren – den Nervenkitzel der Landung.

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