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Portugal: Begegnung mit Neugierigen – die Delfine von Setubal

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Portugal für Whale-Watcher: vor Setubal lebt eine Population von rund 30 Delfinen

Ein Reisebericht von Susanne Baade und Dirk Lehmann

Was berührt uns, wenn wir einen Delfin sehen? Woher kommt unsere Sehnsucht, dem Säugetier nahe zu sein? Wissenschaftler und Künstler haben zahlreiche Antworten auf diese Fragen gefunden: Demnach nimmt uns ihr „Lächeln“ für die Delfine ein, und ihr Spieltrieb macht uns strahlen, ihre Intelligenz beeindruckt, und dank ihrer Lernfähigkeit sind sie begnadete Entertainer, ihre unverstellte Neugier erwärmt unser Herz, und ihre Empathie weckt offenbar Selbstheilungskräfte in vielen von uns. Es ist eine seltsame Gemengelage aus wissenschaftlich belegbaren Fakten und esoterisch scheinenden Projektionen, die unser Verhältnis zu den Zahnwalen prägen.

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Das lässt sich auch nicht trüben von verstörenden Erkenntnissen. So bewiesen britische Forscher unlängst, dass die nur scheinbar lächelnden Schnellschwimmer auch Killer sind, man hat Delfine beobachtet, die offenbar grundlos Schweinswale töteten, ihren Nachwuchs oder andere Vertreter ihrer Art. Und eine Untersuchung belegt, dass die heilenden Effekte, die man der Delfin-Therapie zuschreibt – Kranke leben auf, weil sie sich an den Flossen festhalten durften –, auch durch die Berührung anderer Tiere zu erreichen sind. Die Nähe zählt, nicht die mythischen Heilungskräfte des Delfins.    Setubal_Delphine_unter_Boot.jpg

Und doch sind wir aufgeregt, als wir den Katamaran von Vertigem Azul betreten, mit dem wir hinaus fahren werden in die Bucht von Sétubal. Hier, im Mündungsgebiet des Sado, hat sich vor einigen Jahren eine kleine Population von Delfinen angesiedelt, die seither langsam, aber beständig größer wird. 27 Tiere sind es inzwischen. Mit ihrem Geschäftspartner bietet Maria Fonseca Touren auf einem großen Katamaran an. Rund zwei Dutzend Passagiere sind heute an Bord. Vielleicht sehen sie sogar das Jungtier, den Baby-Delfin, sagt Maria. Und fügt noch schnell hinzu, sie könne nicht versprechen, dass wir überhaupt Delfine treffen.

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Susanne und ich haben kurz ein Orcas-vor-der-Küste-Vancouvers-Deja-Vu. Dann nehmen wir uns einfach vor, die Zeit an Bord zu genießen. Denn die Sonne scheint, es ist fast 30 Grad warm. Wir dürfen uns überall auf dem Schiff aufhalten. Und so liegen auf dem zwischen den Rümpfen gespannten Netz. Das Wasser klatscht gegen den Doppelbug, der Fahrtwind streift durch das Haar. Was ein wundervoller Tag.Das scheinen die Delfine auch zu finden und gesellen sich schon nach rund einer halben Stunde zu uns. Neugierig erkunden sie das langsam fahrende Boot, tauchen zwischen den Rümpfen auf, recken die lächelnden Gesichter aus dem Wasser, springen, prusten, rasen an uns vorbei. Nach einer Stunde ist man ganz beseelt, und die Speicherkarten sind voller bemerkenswerter Bilder, ohne dass ein Delfin-Trainer in der Nähe war.

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Bleibt die Frage: Warum mögen wir sie so sehr, die Begegnung mit dem Delfin? Susanne sagt, es berühre sie, dass die Tiere so neugierig auf uns sind. „Klar, das tun viele Tiere. Aber von Fischen, ich meine, von Tieren, die im Wasser leben, erwartet man das nicht.“ Das beschreibt den besonderen Zauber dieser Momente sehr gut: Die Delfine kommen zu uns, zeigen sich, verlassen für einen Moment der Neugier das Meer. Die Tiefe, die Dunkelheit der See bekommt dadurch ein Gesicht. Und es lächelt.

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