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Kanada: Happy in urbanisation – vom Campground in die City von Vancouver

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Kanada in a nutshell: Vancouver Island hätte einen längeren Besuch verdient – die Insel ist etwa so groß wie die Schweiz, überzeugt mit wundervollen Stränden und schneebedeckten Bergen

Ein Reisebericht von Susanne Baade und Dirk Lehmann

Auf dem Fährterminal bei Nanaimo werden wir angewiesen, „Omas Schrankwand“ in Spur 32 zu parken, wo wir darauf warten, mit der Fähre von Vancouver Island nach Vancouver überzusetzen. Wir fühlen einen seltsamen Phantomschmerz. Der erklärt sich erst, als wir mit einem Kaffee vor dem Popcornstand sitzend in die milde Mittagssonne blinzeln und dem Hardrock zuhören, der aus dem schwachbrüstigen Radio des älteren Verkäufers plärrt (Rock und Heavy Metal sind der Pop Kanadas): Wir haben eigentlich viel zu wenig Zeit gehabt für diese Insel, die so groß ist wie die Schweiz. Nur von Ferne haben wir die schneebedeckten Berge im Landesinnern gesehen, die tiefblauen Seen, nur auf Durchfahrt die gar nicht so amerikanisch anmutenden Dörfer und die fast viktorianischen Städte mit ihren Stränden, das Licht flirrte durch Kiefern und Pinien. Wir müssen unbedingt wieder kommen, Vancouver Island ist Kanada „in a nutshell“.

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Jetzt trägt uns das Schiff über die Strait of Georgia. Die Sonne scheint, in den windgeschützten Bereichen der Decks sitzen und liegen die Kanadier und genießen die zweistündige Seereise, am Horizont manifestieren sich – noch winzig klein – die ersten Hochhäuser der Skyline.
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Sonnensucher auf der Fähre: Kreuzfahrtfeeling auf der Überfahrt nach Vancouver

In Vancouver endet alle Einsamkeitssucherei, obwohl unser Aufenthalt mit einer Reminiszenz an die Tage in der Fryatt Hut beginnt, denn wir treffen Rick und Jim, die unser Abgeschiedenheitsexperiment in der Hütte kurz miterlebten. Die beiden haben uns auf eine Wanderung in Squamish und zu einem gemeinsamen Abendessen eingeladen. Bevor wir Städter werden, besteigen wir noch zwei der drei Gipfel des mehr als 700 Meter hohen Stawamus Chief. Der markante Granit-Klotz dominiert die am Howe Sound liegende Kleinstadt Squamish. Der glatte, steilwandige Fels soll einer der höchsten Monolithen der Welt sein und war den First Nations einst heilig.

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Gipfel-Snack: Susanne, Rick und Jim auf dem Chief in Squamish mit Blick auf die Berge rund um Whistler, etwa auf den Garibaldi (links)

Rund 50 Kilometer sind es von Squamish nach Vancouver. Und so sehr wir die Ruhe in den Wäldern geliebt haben, so sehr erregt uns jetzt, dass die Straßen breiter werden, der Verkehr anschwillt und wir schließlich im dichten Strom über mehrspurige Highways durch Vancouver gleiten – und am Stadtzentrum vorbei. Denn für den Anfang haben wir uns auf einem Campground im Speckgürtel eingebucht. Nachdem wir das Wohnmobil abgegeben haben, erwartet uns noch ein besonderes Zuckerl: Wir beschließen unsere Kanada-Reise im Luxushotel Four Seasons. Das gönnen wir uns für jeden unserer Trips, getreu dem Motto, man kann die beste Reise seines Lebens nicht in einem drittklassigen Bahnhofshotel beenden.

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Vancouver per Bus: Mit dem Rundfahrt-Cabrio durch eine der fußgänger- und radfahrerfreundlichsten Metropolen Nordamerika

Fünf Tage bleiben wir in der Millionenstadt, die sich seit meinem letzten Besuch im letzten Jahrhundert völlig verändert hat. Für Susanne ist es der erste Aufenthalt. Wir machen in Vancouver alles, was an touristischer Zerstreuung angeboten wird. Wir gehen mit einem Hop-on-hop-off-Bus auf Stadtrundfahrt. Wir fürchten uns auf der schmalen, schaukelnden Capilano Suspension Bridge, die über einer rund hundert Meter tiefe Schlucht führt. Wir leihen uns ein Tandem und touren damit an der Küste entlang, strampeln durch Parks und über Brücken, in die Wohnviertel am Stadtrand und in das einstige olympische Dorf, das inwischen eine sehr beliebte (und belebte) Hochhaussiedlung am False Creek ist.
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Nervenkitzel in der Stadt: Im Park mit der Capilano-Suspension-Bridge gibt es auch ein Baumwipfelpfad in bis zu 80 Meter hohen Zedern und Hemlock-Tannen 

Wir essen auf Granville Island die besten Fish-and-Chips (bei Go Fish), fläzen uns mit unzähligen Asiaten auf den öffentlichen Liegepolstern vor dem Museum of Art und besuchen das Aquarium, Pinguine steppen durch eine großräumige Beton-Arktis, Delfine tanzen lächelnd durch ihr Becken, und als weiße Schemen ziehen Beluga-Wale hinter einer dicken Glasscheibe vorbei. Und wir können froh sein, sie gesehen zu haben, denn auf der Whale Watching Tour, die wir später unternehmen, bei der wir einen ganzen, wundervoll sonnigen Tag auf einem offenen Boot sitzen, völlig gepackt vom „Jagdfieber“, haben wir Pech und werden nur ein paar Schweinswale entdecken und uns von Seelöwen anbrüllen lassen – aben keinen der Orcas, die uns vor der Abfahrt in Aussicht gestellt worden sind (Aber: Danke für den lebenslang gültigen Gutschein für eine Ersatztour!).
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Insel des Ausgehens in der Stadt: Granville Island und der immer umlagerte beste Fish-and-Chips-Stand von Vancouver GO FISH 

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Die Abende verbringen wir im goldenen Licht, das durch die Hochhäuser leuchtet und Vancouver einen enormen Charme verleiht, der nur durch die freundlichen Menschen hier getoppt wird, mit denen man so leicht ins Gespräch kommt, die einen immer sofort fragen, ob man Hilfe braucht, sobald man nur ein paar Sekunden ratlos auf der Straße steht. Schnell jedenfalls machen sich unsere Städter-Gene wieder bemerkbar – wir bleiben bis weit nach Mitternacht wach, schlafen bis in den Vormittag hinein. Und stellen uns die bange Frage: Woher kommt sie eigentlich, unsere Sehnsucht nach Entschleunigung? Und wo bleibt sie, wenn man sich so wohl fühlt im Gewusel einer Metropole?

Wir verabreden uns, ein Fazit zu ziehen. Morgen, am letzten Tag in Kanada.

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