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Wer bremst, verliert

Rodelbahnimpression I und Mark Rothkos  „Three Blacks in Dark Blue“, VG Bild-Kunst

Inspiration für die Auszeit: Wir, also Dirk, seine Töchter Judith und Benita und ich, fahren mit zwei Zielen nach Wolfsburg. Das erste ist das Kunstmuseum, wo die Ausstellung „Die Kunst der Entschleunigung“ läuft und das andere ist die 30 Meter hohe Rodelbahn in der Autostadt. Zwar kommen die Kinder immer gerne mit ins Museum, aber die Aussicht auf eine eine Superpiste ist natürlich viel reizvoller.

Im Museum läuft Benita los, kommt zurück, zupft mir am Ärmel und fragt aufgeregt, „Susanne, hast du schon die Regentropfen gesehen, die von der Decke fallen?“ Nein, ich stand vor den Zeichnungen Odilon Redons und befand damit noch im ersten Raum.  Julius Popps Installation war viel weiter hinten, die Wassertropfen wurden von einer Art Duschkopf zu Worten geformt und zerplatzen am Boden. Ich wusste, so langsam konnte ich nicht weiter machen, die Ausstellung ist groß und schließlich wollen wir noch rodeln. Ich gehe weiter und die Ausstellung gefällt mir, sie ist didaktisch aufgebaut, beginnt mit Kunstwerken um 1900 und endet mit zeitgenössischen Arbeiten. Fortschrittswunsch und die Sehnsucht nach Rückzug wechseln sich in den Arbeiten von Caspar David Friedrich, Marcel Duchamp und Douglas Gorden ab.  In einem grauen abgedunkelten Raum hängt ein Rothko. Ich bewundere die Ruhe und Harmonie, die dieses Werk ausstrahlt. Und erschrecke mich- Benita zieht erneut an meinem Arm, „Susanne, hast du die Fernseher da vorne schon gesehen?“ Ihr gefällt die Ausstellung auch, nur braucht sie definitiv keine Entschleunigung, ihre Neugier treibt sie von Werk zu Werk. Es geht weiter, etliche Monitore von Nam June Paik, installiert in der Form des Brandenburger Tores, flimmern vor unseren Augen und uns bleibt nicht mehr viel Zeit.

Rodelbahn 3

Rodelbahn 4Rodelbahn 2

Die Kinder johlen, als wir auf den Parkplatz der Autostadt fahren. Vor uns die beleuchtete Rodelbahn, die von unten betrachtet ganz schön steil aussieht. Blaue Lichter markieren die Ränder der Piste wie die einer Flugzeuglandebahn. Mühsam ziehen wir unsere Gummireifen die Bahn hoch und dabei kommt sie mir gleich noch steiler vor. Oben angekommen pfeift mir der Wind um die Ohren. Ich überprüfe den Sitz meines Helmes, ziehe den Reißverschluss meiner Jacke bis zum Ende hoch und gehe auf die Startrampe zu. Judith rast vor mir die buckelige Piste bereits herunter und lacht wie verrückt. „Die Mutti ist doch schwindelfrei, was, “ stellt der Ordner fest und gibt dem Reifen eine ordentliche Drehung, sodass ich gleich die erste Hälfte der Piste rückwärts runter rase. Ich schreie. Und dann lache ich, drehe mich mit dem Gummireifen noch ein paar mal auf der Piste. Unten angekommen lasse ich meine Füße hängen und bremse ab. Es hat mich gepackt, die Geschwindigkeit, die leichte Übelkeit beim Rückwärts rodeln. Ich muss sofort noch mal hoch. Benita ist auch schon auf dem Weg.

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